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neue Controller wie das Expressive E Osmose

Neue Controller wie das Expressive E Osmose. 

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Platzt aus allen Nähten: 280 Hersteller elektronischer Musikinstrumente auf der Superbooth 2024 in Berlin

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Vom 16. bis 18. Mai 2024 fand im FEZ Berlin in der Wuhlheide die diesjährige Superbooth stand. 280 Hersteller elektronischer Musikinstrumente stellten ihre Produkte aus, von denen der weitaus größte Teil tatsächlich haptisch bedienbare Hardwaregeräte waren. Die Branche ist schon immer eine Branche vieler kleiner Tüftlerfirmen gewesen, die dann in wirtschaftlich schwierigen Phasen auch gerne mal in Schwierigkeiten geraten. Und so war es schön zu sehen, dass Firmen wie Moog oder Native Instruments nicht nur vertretungsweise da waren, sondern auch tatsächlich richtige Stände mit neuen Produkten aufzuweisen hatten. 

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Überhaupt sind in die Reihe von acht bis zehn Firmen, die die Coronazeit, die Chipkrise oder beides nicht überstanden haben, durch viele neue Hersteller ersetzt worden. So hätten es denn auch mehr als 280 Hersteller sein können, allein, es war auf dem Veranstaltungsgelände kein Platz mehr.

Wir auch schon im letzten Jahr platzte die Superbooth aus allen Nähten und erweiterte sich aus dem FEZ Gelände hinaus in ein Zeltlager und in ein Bungalowdorf. Und überall wimmelte es von Ausstellern, die eifrig und lautstark jeder, die da kam, ihre Instrumente erklärten. Das reichte vom Kleinsthersteller mit nur einem einzelnen Eurorackmodul bis zu den ganz großen globalen Firmen Korg und Yamaha. Die meisten Firmen kann man aber einem Mittelfeld zuordnen, die sich zum Beispiel wie der tschechische Hersteller Bastl schon seit Jahren im Geschäft halten und viele innovative Geräte vorzuweisen haben, sich aber trotzdem immer noch ein gewisses Underground Flair erhalten haben. Und in dem ganzen Trubel teilten sich dann die Edelmarken Sequential, Oberheim und Novation einen Raum, was gleichsam einem Gipfeltreffen von Guarneri, Stradivari und Amati gleichkam. 

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Logo Superbooth 24.

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Geboten wurde vieles und auch dieses Jahr gab es so viele Neuigkeiten, dass man der Branche immer noch eine im Musikinstrumentenbau unvergleichliche Virilität zusprechen kann. Das wird unterstrichen durch die Tatsache, dass es nahezu keine Produkte mit reinem Novelty-Charakter gibt: Die Produkte sind durchdacht, sie sind gut konstruiert und sie haben eine Vision. Und so wurden in den vergangenen Jahren neue Controller wie das Expressive E Osmose entwickelt, das eine Tastatur besitzt, die nicht nur wie ein Hebel gedrückt wird, sondern auf der mit dem Finger seitwärts und aufwärts glissandiert werden kann. Mit anderen Worten: eine Tastatur, wie man sie sich seit Jahrhunderten gewünscht hat. Das wurde schon oft probiert – das Roli Rise hat das schon vor ein paar Jahren versucht – aber in dieser Perfektion ist das geradezu eine Neudefinition der Tasteninstrumente. Das entsprechende Schlagwort dazu lautet MPE, was je nach Definition für MIDI Polyphonic Expression oder Multidimensional Polyphonic Expression steht und in den neuen MIDI 2.0 Standard integriert ist, der das vorangegangene MIDI 1.0 aus dem Jahr 1982 langsam ablöst. 

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Im dieses Jahr vorgestellten 12(!)-stimmigen analogen Synthesizer Arturia PolyBrute 12 wurde eine ähnlich funktionierende Tastatur eingebaut. Zusammen mit einem weiteren Controller von Expressive E, einer Holzplatte, die auf Druck, Wippen und Streicheln reagiert, versucht der Synthesizer seine vielen Parameter expressiv spielbarer zu machen und nicht mehr als reines Keyboard mit außergewöhnlichen Klängen zu fungieren. Weitere prägnante Neuerscheinungen gab es von 3rd Wave mit ihrem Advanced Wavetable Synth, von Oberheim mit dem Teo-5, von Moog mit dem Muse (den es allerdings nur hinter verschlossenen Türen zu bestaunen gab) und aus Australien kam der Delia Synthesizer von Melbourne Instruments mit selbstrotierenden Knöpfen. Erwähnt werden müssen auch die vielen Stände der Studioausrüster wie RME oder Neumann, die die Superbooth immer mehr für sich entdecken.

Abseits der eigentlichen Messe gab es dann noch ein umfangreiches Kulturprogramm mit Konzerten in ganz Berlin. Dabei fällt auf, wie groß die ästhetische Spannweite und wie klein die Animositäten sind: da läuft Richie Hawtins über die Messe, um dann später ein Set im Watergate zu spielen, während am Samstagmorgen eine „Bleeps & Bloops Rides“ Fahrradtour mit Synthesizern veranstaltet wird. Im Klunkerkranich gibt es DIY Lötworkshops, im Kulturraum Zwingli Kirche eine audiovisuelle Installation und das Berghain veranstaltet eine Labelnacht. Die ganz kleinen Kinder werden betreut, für Kinder ab fünf Jahren gab es dann sogar eine eigene Veranstaltung über ein ganzes Wochenende, die sogenannte Minibooth. Und so hat die Superbooth auch dieses Jahr wieder alles richtig gemacht und eine Relevanz gezeigt, die sie wahrscheinlich noch lange nicht verlieren wird. Denn durch den Umstand, dass es immer weniger Hardware-Geschäfte gibt, in denen man die Instrumente ausprobieren kann – in Berlin hat erst vor wenigen Wochen nach vielen Jahrzehnten das JustMusic seine Türen geschlossen – ist eine Messe wie die Superbooth einer der wenigen Orte, wo man verschiedene Synthesizer an einem Ort bespielen und miteinander vergleichen kann.

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