Hauptbild
Weniger Besucher im Händel-Haus - aber mehr bei Festspielen. Foto: Händelhaus, Fechner
Das Händel-Haus in Halle. Foto: H. Fechner
Hauptrubrik
Banner Full-Size

Seltener Tangentenflügel des Händelhauses Halle gerettet

Publikationsdatum
Body

Halle - In Halle stehen wieder die Händelfestspiele vor der Tür. Dabei kommen auch historische Instrumente des Händelhauses zum Einsatz. Sie erzeugen Töne, wie der Komponist sie kannte. Zurzeit wird im Händelhaus ein seltener Tangentenflügel restauriert.

Zur Zeit des Barockkomponisten Georg Friedrich Händel (1685-1759) gab es besondere Instrumente. Die diesjährigen Händelfestspiele in seiner Geburtsstadt Halle vom 26. Mai bis 11. Juni machen die Musik wie zu Händels Zeiten wieder erlebbar. Jährlich kommen Tausende Menschen aus dem In- und Ausland wegen seiner Musik in die Saale-Stadt. Die Musikaliensammlung im Händelhaus, dem Geburtshaus Händels, bietet für die Musiker Nachbauten und Originale. Darunter ist auch ein seltener Tangentenflügel aus der Mozartzeit von 1785, der derzeit aufwendig im eigenen Atelier restauriert wird.

«Das ist ein Zwischending zwischen Cembalo und Hammerflügel», sagt die Leiterin des Händelhauses, Christiane Barth. Die ungünstigen Klimabedingungen hatten dem Instrument zugesetzt. Ein Riss im Resonanzboden ließ eine Reparatur fragwürdig erscheinen. «Der Resonanzboden war gestaucht und dadurch nach oben aufgewölbt und gebrochen», sagt Atelierleiter Roland Hentzschel.

Für die schwierige Entscheidung, ob das Instrument zu retten ist, gab es eine Kooperation mit dem «Institut für Statik und Dynamik der Tragwerke» der TU Dresden. «Virtuell im Computer, ohne die Materialstrukturen zu berühren, wurden Szenarien durchgespielt, also wie groß die Spannung sein darf, damit das Holz nicht reißt oder welche Luftfeuchtigkeit ideal ist», sagt Projektleiter Prof. Michael Kaliske. «Die Quintessenz war, man kann den Tangentenflügel restaurieren.»

In jahrelanger Kleinarbeit wurden zusätzliche Konstruktionshölzer eingebaut und der Riss geleimt. «Noch sind keine Saiten auf dem Tangentenflügel, aber die Rekonstruktion soll in diesem Jahr zum Abschluss kommen», sagt Hentzschel.

Aber warum gab es den Tangentenflügel? «Jahrhunderte lang hatte man das Cembalo, die Saiten wurden gezupft und der Ton war immer gleich laut», erklärt Hentzschel. «Aber das Ziel der Konstrukteure war, die Instrumente modulationsfähig zu machen, also in die Lage zu versetzen, leise und laute Töne zu erzeugen.»

Erste Lösungsansätze für ein modulationsfähiges Klavier gab es schon im frühen 17. Jahrhundert. In Italien wurde dann eine Hammermechanik entwickelt, die in ein Cembalo eingebaut wurde. «Damit konnte man dann laut und leise spielen, aber es klang immer wie ein Cembalo», sagt Hentzschel. Gottfried Silbermann (1683-1753) baute dann die Hammermechanik in einen neuen Instrumententypus ein. Es entstand ein Instrument, das wie unser heutiges Klavier klang.

«Zwischenzeitlich geriet dieses Wissen in Vergessenheit und es gab Instrumentenbauer, die einen Stift in die Mechanik einbauten, der auf die Seiten sprang. «Aber die Tangente bot gegenüber dem Hammer weniger dynamischen Spielraum», sagt Hentzschel. «Schließlich setzte sich der Hammerflügel, weil er dem Spieler mehr Möglichkeiten bot, durch.» Heute ist der Tangentenflügel ein sehr seltenes Instrument, weltweit existieren schätzungsweise nur noch um die zwölf Instrumente.

«Insgesamt haben wir fünf nachgebaute Cembali», sagt Barth. «Es gibt auch eine Kirchenorgel von 1770, die hat Johann Gottfried Mauer gebaut, und die erklingt auch zum Händelfest.» Dazu hält die Sammlung ein Paukenpaar und Kontrabässe, dazu zwei Hörner und zwei Trompeten vor. «Wobei die Pauken und Kontrabässe Originale aus der Zeit um 1830 sind. Allerdings sind das keine musealen Instrumente, die wurden gespielt und immer wieder repariert und so an die moderne Zeit angepasst», sagt Barth.

«Ebenso gibt es eine Oboe von 1730 als Nachbau.» Insgesamt umfasst die Sammlung rund 800 Instrumente. «Der Hauptteil sind Tasteninstrumente, Händel war ja auch ein großer Tasteninstrumentenvirtuose», sagt Barth. «Das älteste Musikinstrument ist eine Theorbe von 1540, das ist eine spezielle Laute mit langem Hals für lange Bass-Seiten.» Für Opern-Orchester, die Händel spielen, wird die Theorbe noch verwendet und heute noch hergestellt.»

Die Sammlung besitzt auch ein einzigartiges Cembalo von 1599, gebaut von der Familie Rückers im holländischen Antwerpen. «Händel hatte zeitweilig auch ein Rückers-Instrument, deshalb ist es für die Sammlung wertvoll, da es sich mit Händel verknüpfen lässt. Und es erklingt auch zu den Händelfestspielen», sagt Barth.

 

Ort