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Henry Threadgill

Henry Threadgill beim Jazzfest Berlin

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29.10.2023: Veranstaltungen aktuell +++ Veranstaltungen

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Jazzfest Berlin vor 60. Ausgabe - Erstmals mit Kinderchören +++ Swingzeit in Neustrelitz: Premiere für neues Musical begeistert Gäste +++ «All that Jazz» - Koskys Version des Musicals «Chicago» in Berlin +++ Israel-Solidaritätskonzert in Cottbus - weitere Aktionen im Land

 

Jazzfest Berlin vor 60. Ausgabe - Erstmals mit Kinderchören

Berlin - Das Jazzfest Berlin steht vor seiner 60. Ausgabe. Von Donnerstag bis Sonntag (2.-5.11.) haben die Organisatoren im Haus der Berliner Festspiele knapp 40 Projekte geplant. Dabei sollen spielerische und intuitive Elemente der Musik unterschiedliche Generationen zusammenbringen. Aus Sicht der Künstlerischen Leiterin Nadin Deventer wird damit «im Geiste der musikalischen Tradition» nach vorne geschaut.

Zum Auftakt stehen dafür an diesem Donnerstag erstmals Kinderchöre beim Jazzfest auf der Bühne. Das französische Quartett Novembre arbeitet dafür im Projekt «Apparitions» mit Singstimmen im Alter zwischen neun und zwölf Jahren zusammen. Mit dabei sind der Mädchenchor der Sing-Akademie zu Berlin und die Kapellknaben des Staats- und Domchores Berlin. Sie treten in musikalische Beziehung zu drei avantgardistischen Ensembles aus Paris.

Mit Kindern wird auch im Jazzfest ImproCamp gearbeitet. Dort soll jungen Musikerinnen und Musikern ein interdisziplinärer Zugang zur Improvisation ermöglicht werden.

Mit im Programm sind unter anderem der US-Komponist, Saxofonist und Flötist Henry Threadgill mit einer Auftragskomposition für sein Ensemble Zooid und die Berliner Formation Potsa Lotsa XL von Saxofonistin Silke Eberhard. Der Brite Fred Frith bildet mit der Trompeterin Susana Santos Silva und der Schlagzeugerin Mariá Portugal ein generationenübergreifendes Trio.

Als Berliner Jazztage 1964 gegründet, zählt das Jazzfest Berlin zu Europas ältesten und renommiertesten Festivals seiner Art.

 

Swingzeit in Neustrelitz: Premiere für neues Musical begeistert Gäste

Ein bisher kaum gespieltes Musical hat die Theatergäste in Neustrelitz in die Zeit des Swings in New York entführt. Die Premiere von «The Famous Door On Swing Street» wurde mit Bravorufen gefeiert.

Neustrelitz - Ein Musical über die Musikwelt der 1930er Jahre in New York hat am Theater in Neustrelitz (Mecklenburgische Seenplatte) reichlich Beifall bekommen. Damit und mit Bravorufen endete am Samstagabend die Premiere für «The Famous Door On Swing Street» im ausverkauften Großen Haus der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz. Es war die erste Aufführung dieses Musicals in Deutschland nach der Uraufführung des Stückes im Oktober 2020 im bayerischen Fürth, wie Theatersprecherin Wenke Frankiw sagte. Die Inszenierung stammt vom Sänger, Tänzer und Stepptanzdozenten Gaines Hall.

In dem Musical von Thilo Wolf will ein junges Paar sein Glück in New York machen. Die junge Frau, die Laura Scherwitzl spielt, hat aber in ihrem Beruf als DJane Probleme - bis sie durch eine Geheimtür eines Plattenladens in der New Yorker Swing Street der 30er Jahre landet. Ihr Freund muss schließlich auch durch diese Tür - und um seine Geliebte kämpfen, damit er sie nicht ganz an einen Stepptänzer verliert.

Die kurzweilige Handlung und mitreißende Musik begeisterten das Premierenpublikum. Die Theater und Orchester GmbH ist mit rund 200 Beschäftigten eine von vier großen Bühnen im Nordosten. Sie hatte in der vergangenen Spielzeit rund 90 000 Zuschauer.

 

«All that Jazz» - Koskys Version des Musicals «Chicago» in Berlin

Berlin - Knallvolles Haus, viel Glitzer, reichlich Federboas, nackte Haut und jede Menge Lichtzauber: mit einer gefeierten Premiere des Musicals «Chicago» von John Kander und Bob Fosse unter musikalischer Leitung von Adam Benzwi hat die Komische Oper Berlin am Samstagabend ihren Spielbetrieb an der Interimsspielstätte Schillertheater aufgenommen. Der frühere Intendant Barrie Kosky setzte die Startmarkierung mit einer fulminanten Inszenierung, für die es viel Applaus und anhaltende Ovationen gab.

Kosky realisierte damit nach «West Side Story», «Anatevka» und «La Cage aux Folles» ein weiteres großes US-Musical für das Haus, das er zehn Jahre lang bis 2022 leitete. Dabei konnte er mit Katharine Mehrling und Ruth Brauer-Kvam als Showgirl-Duo Roxie Hart und Velma Kelly auf überzeugende Hauptdarstellerinnen bauen.

Die Story um Morde in den Betten des Showbizz und den ebenso hürdenreichen wie schlagzeilenträchtigen Weg der beiden Jazz-Sängerinnen aus dem Gefängnis zurück auf die «All that Jazz»-Bühne ist eine Fundgrube für Koskys Regie. Er lässt das gesamte Ensemble zwischen tiefen Gefühlen, heißen Choreografien, schmutzigen Witzen changieren. Alles kommt immer wieder mit einer fetten Portion Glamour und Glimmer auf die mit tausenden Lichtern ausgestattete Bühne, bleibt dabei aber nicht an den Oberflächlichkeiten hängen.

Die Komische Oper ist eines von drei großen Opernhäusern der Hauptstadt. Das etwa 1300 Plätze umfassende Stammhaus in der Nähe des Brandenburger Tors soll mindestens sechs Jahre lang saniert, umgebaut und erweitert werden. Aktuell liegt die Kostenplanung bei 478 Millionen Euro, könnte sich bei dem denkmalgeschützten Gebäudeensemble aber noch deutlich verteuern.

Das 1907 eröffnete Schillertheater mit seinen rund 1000 Plätzen gehörte bis 1993 als Spielstätte zu den Staatlichen Schauspielbühnen Berlin. Nach der Schließung diente es mehrfach als Ersatzspielort. Von 2010 bis 2017 beherbergte das Haus die Staatsoper während der Sanierung des Gebäudes Unter den Linden. Zwischen 2018 und 2022 waren während Umbauten am Ku'damm-Karree Theater und Komödie am Kurfürstendamm im Schillertheater untergebracht.

 

Israel-Solidaritätskonzert in Cottbus - weitere Aktionen im Land

Cottbus - Nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas am 7. Oktober wollen in Brandenburg zahlreiche Kulturinstitutionen ihre Solidarität mit Israel bekunden. Das Staatstheater Cottbus plant für kommenden Dienstag ein Solidaritätskonzert für die Opfer des Angriffs der islamistischen Hamas. «Wir wollen die ohrenbetäubende Stille durchbrechen, in die wir angesichts des Terrors und seiner Folgen zu verfallen drohen», hieß es auf der Internetseite des Theaters.

Das Filmfestival Cottbus zeigt am Festivalsonntag (12. November) den Kurzfilm «The Boy» - als Hommage an den israelischen Filmemacher Yahav Winner. Dieser sei bei den Angriffen in einem Kibbuz von Hamas-Terroristen getötet worden, berichtete eine Sprecherin des Festivals. Der Kurzfilm handele von einem nahenden Krieg und wird am Abend in der Cottbuser Stadthalle gezeigt.

Das Potsdamer Hans-Otto-Theater gibt am 7. November, einen Monat nach dem verheerenden Terror-Angriff der Hamas, einen Abend für Israel. Schauspielerinnen und Schauspieler lesen aus Texten israelischer Autoren und Künstler. «Zudem werden zwei Potsdamer Künstlerinnen, geboren in Tel Aviv und Jerusalem, einige Texte im hebräischen Original lesen», heißt es in der Ankündigung.

Das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt (Oder) organisiert jedes Jahr zum Jahrestag der Novemberpogrome 1938 eine Gedenkveranstaltung für die von den Nazis verfolgten jüdischen Familien. In diesem Jahr werde es eine Konzert-Lesung mit Werken des israelischen Komponisten Boris Pigovat geben, teilte ein Sprecher des Orchesters mit.

Das Staatsorchester habe bereits am 13. und 14. Oktober seine Konzerte den Opfern der Terroranschläge in Israel gewidmet und dazu Künstlerinnen und Künstler mit jüdischen Wurzeln eingeladen, berichtete der Sprecher. Wenige Tage nach den Terroranschlägen der Hamas am 7. Oktober habe das Orchester ganz in Schwarz gespielt, um der Anteilnahme mit den Opfern Ausdruck zu verleihen.

Im Branitzer Park ist am Freitag die israelische Flagge auf der Spitze der Landpyramide gehisst worden. Die Flagge soll dort bis zum kommenden Donnerstag wehen. «Gerade jetzt gilt es, als deutsche Kulturinstitution unmissverständlich gegen jede Form von Antisemitismus und Israel-Feindlichkeit einzustehen», sagte Stefan Körner, Vorstand der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz. Er verwies darauf, dass Fürst Pückler ein Mittler zwischen den Religionen sowie Orient und Okzident gewesen und für die Gleichberechtigung der Juden in Preußen eingetreten sei.

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