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7.2.: bildende kunst aktuell +++ bildende kunst

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Schloss Moyland zeigt Arbeiten von Theo +++ Große Kippenberger-Retrospektive ab Samstag in Karlsruhe +++ Tochter von Otto Nagel darf 16 Gemälde des Künstlers behalten +++ Bildermuseum zeigt Reichtum Leipziger Sammlungen


Schloss Moyland zeigt Arbeiten von Theo
Bedburg-Hau (ddp). In einer umfassenden Retrospektive zeigt das Museum Schloss Moyland in Bedburg-Hau ab Sonntag erstmals das künstlerische Werk von Theo (1918-1998). Der geistig Kranke war nur aufgrund glücklicher Umstände der so genannten Euthanasie im Dritten Reich entkommen. Die «Männer des 3.3.3. Reiches» hatte er in rund 800 Arbeiten auf Papier zu bannen versucht, darunter 40 Hitler-Porträts. Weitere Themenbereiche der Schau zeigen religiöse Darstellungen, Mythen-, Märchen-, und Fabelmotive sowie Theos Uhren-Darstellungen. Mit 168 Arbeiten auf Papier werde die Ausstellung erstmals einen umfassenden Einblick in die verschiedenen Werkkomplexe des Künstlers ermöglichen, teilte das Museum am Donnerstag mit.
Theo wurde 1918 in Stolberg bei Aachen geboren und lebte von 1977 bis zu seinem Tode im St. Petrusheim in Weeze am Niederrhein. Erst zu Beginn der 80er Jahre wurde ein Praktikant auf der Pflegestation auf das Zeichentalent des als «schwachsinnig» geltenden Menschen aufmerksam. Er konnte einen Teilbestand von Theos Arbeiten retten.
Fünf Jahre nach seinem Tode ist Theos Kunst in den bedeutendsten internationalen Art-Brut-Sammlungen vertreten. Die in der Moyländer Ausstellung versammelten Arbeiten bilden das Spätwerk des Künstlers, das zwischen 1978 und 1996 entstand. Die Ausstellung steht unter der
Schirmherrschaft von Bundespräsidenten Johannes Rau.
Die Retrospektive wird am Sonntag eröffnet und bis zum 27. April gezeigt. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr. Ab dem 1. April verlängert sich die Öffnungszeit bis 18.00 Uhr.
http://www.moyland.de

Große Kippenberger-Retrospektive ab Samstag in Karlsruhe
Karlsruhe (ddp-bwb). Eine umfassende Retrospektive zum Werk des 1997 verstorbenen Malers und Installationskünstlers Martin Kippenberger ist ab Samstag in Karlsruhe zu sehen. Die Ausstellung «Martin Kippenberger - Das 2. Sein» im Museum für Neue Kunst zeigt fast 600 Exponate des in Dortmund geborenen Künstlers. Diese erste große Werkschau nach dem Tod Kippenbergers beleuchte alle Werkphasen seit 1976 und zeige «dennoch nur einen kleinen Ausschnitt aus seinem riesigen Werk», sagte der stellvertretende Museumsdirektor Ralph Melcher am Donnerstag in Karlsruhe. Kippenberger wäre am 25. Februar 50 Jahre alt geworden. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen zeitgenössischen Künstler.
Präsentiert werden Gemälde, Plakate, Latexbilder, Collagen, Fotografien und Installationen. Kippenberger hat nach den Worten Melchers «fast alle künstlerischen Ausdrucksformen genutzt». Nur Videokunst und Internet habe er «absichtlich vernachlässigt». Ein zentrales Thema des vom Dadaismus, von Andy Warhol und Sigmar Polke inspirierten Künstlers ist die selbstkritische Hinterfragung seiner eigenen Rolle im Kunstbetrieb. Mit Witz, Spott und Gags versuchte er, sich eindeutigen Etikettierungen zu entziehen. Immer wieder thematisierte er sein aufreibendes Künstlerleben und wurde «selbst zum Künstlermythos», wie Melcher sagte.
Gezeigt werden unter anderem die Rauminstallationen «Hamburger Hängung», «Tankstelle Martin Bormann» und der mehrteilige Komplex «Tiefes Kehlchen», den Kippenberger 1991 für die Wiener Festwochen entwickelte. Er wurde eigens für die Karlsruher Ausstellung rekonstruiert und ist seit Wien erstmals wieder zu sehen. Präsentiert werden zudem völlig unterschiedliche Gemäldeserien wie die «Hand-painted pictures», die «Architekturbilder» oder der Komplex «Erfindung des Witzes». Als «Bilder, die Picasso nicht mehr malen konnte», bezeichnete Kippenberger selbst seine «Jacqueline»-Bilder, die ebenfalls zu sehen sind.
Die Ausstellung im Museum für Neue Kunst/ZKM in Karlsruhe wird am Freitag eröffnet und ist bis zum 27. April zu sehen. Öffnungszeiten sind mittwochs von 10.00 bis 20.00 Uhr und donnerstags bis sonntags von 10.00 bis 18.00 Uhr. Der Eintritt kostet 4,10 Euro, ermäßigt 2,60 Euro. Zur Ausstellung ist ein 200-seitiger Katalog zum Preis von 29 Euro erschienen. Vom 16. April bis 22. Juni wird außerdem in der Kunsthalle Tübingen eine Folge-Schau mit rund 500 Kippenberger-Zeichnungen zu sehen sein.

Tochter von Otto Nagel darf 16 Gemälde des Künstlers behalten
Neuruppin (ddp). Die Tochter von Otto Nagel, Sibylle Schallenberg, bleibt im Besitz eines Teils des Nachlasses ihres Vaters. Das Landgericht in Neuruppin habe am Donnerstag eine Klage des Märkischen Museums in Berlin zur Herausgabe von 16 Gemälden des Künstlers (1894-1967) abgewiesen, sagte der Sprecher des Gerichts, Frank Jüttner. Die Kammer sehe in Sibylle Schallenberg die Erbin der Gemälde. Die Bilder bleiben somit in Privatbesitz.
Der Rechtsstreit zwischen dem Märkischen Museum und Schallenberg dauert bereits mehr als zwei Jahre. Ihre Wurzeln hat die Auseinandersetzung in DDR-Zeiten. Otto Nagels Frau Wally war Ende der 60er Jahre zu einem Bekannten nach Westdeutschland gefahren, um von ihm Bilder Nagels zurückzuholen. Nagel hatte dem Mann die Bilder noch vor dem Zweiten Weltkrieg mit der Bitte anvertraut, sie zu veräußern.
Frau Nagel bekam die Bilder gegen eine Art Aufbewahrungsgebühr ausgehändigt. Nach Darstellung von Schallenberg hat das Finanzministerium der DDR die dafür nötigen Valuta - rund 15 000 Mark - zur Verfügung gestellt. Das Märkische Museum dagegen legte dar, dass es Bilder verkaufen musste, um die Valuta für die Reise von Frau Nagel aufzubringen. Somit sei also das Museum auch der Besitzer der Bilder.
Dieser Auffassung sei die Kammer nicht gefolgt, sagte Jüttner. Die vom Museum vorgelegten Indizien hätten nicht ausgereicht. Zwar gebe es sogar eine Quittung über den genannten Geldbetrag. Doch sei darauf nicht zu erkennen, von wem und für welche Zwecke das Geld gewesen sei. Deshalb habe das Gericht eine «Entscheidung nach Beweislast getroffen». Die Kammer sei davon ausgegangen, dass Schallenberg die Erbin ist. Das Museum habe diese Annahme nicht erschüttern können.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Bildermuseum zeigt Reichtum Leipziger Sammlungen
Leipzig (ddp-lsc). Vom Reichtum der Leipziger Museen und Sammlungen können sich Besucher ab Samstag im Museum der bildenden Künste überzeugen. Die Ausstellung «Bilder im Wechselstrom», die bis zum 6. April zu sehen ist, sei «aus dem Boden gestampft worden», sagte Direktor Hans-Werner Schmidt am Donnerstag. Eigentlich sollte schon die vorhergehende Sonderschau die letzte im Interim sein. Aber der Umzug in den Neubau verschiebe sich wegen Verzögerungen am Bau um ein ganzes Jahr.
Ausgangspunkt der 14 Kapitel umfassenden Exposition «Bilder im Wechselstrom» ist jeweils ein Werk aus dem Bestand des Museums. Um das Ausgangswerk herum sind zum Thema passende Exponate aus anderen Sammlungen gruppiert. So sind 14 thematische Inszenierungen zu besichtigen, angefangen vom Schulweg über die Traumwelt im Orient, Abgründe der Seele, Geschichte der Liebe bis zu Anatomie und Totentanz. Dank der Beteiligung von 25 Museen und Sammlungen könne eine Vielfalt von Objekten präsentiert werden, sagte Schmidt.
Neben berühmten Gemälden finden sich in der neuen Sonderschau auch Musikpartituren, Haremsmöbel, Waffen und medizinhistorische Instrumente. Sogar zwei kleine Meteoriten können in Augenschein genommen werden. «Bilder im Wechselstrom» zeige den Beziehungsreichtum, die Berührungen und Verflechtungen unterschiedlicher Sammlungen, betonte der Direktor, von dem die Idee zu der Exposition stammt.
(www.leipzig.de/museum_d_bild_kuenste.htm)