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Baumgarten inszeniert in Berlin - Neue Sicht auf Bizets "Carmen"

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Berlin - Nach seiner höchst umstrittenen "Tannhäuser"- Inszenierung bei den Bayreuther Festspielen in diesem Sommer stellt der Opern- und Theaterregisseur Sebastian Baumgarten seine neue Arbeit vor: Am Sonntag (27. November) feiert die meistgespielte Oper der Welt, Georges Bizets "Carmen", Premiere an der Komischen Oper Berlin.

 

Es seien für ihn "normale" Menschen, die auf der Bühne gezeigt werden, sagte Baumgarten im dapd-Interview. Er wolle eine Liebesgeschichte zeigen, die in der heutigen sozialen Realität stattfindet. "Viele Konflikte in Beziehungen haben gerade heute eine soziale Basis: Das Geld reicht nicht, man ist mit Krisen konfrontiert, was wird mit den Kindern? Diese Fragen interessieren mich viel mehr als die nach der Vamp-Frau", sagte Baumgarten. Es sei "eine harte Geschichte", denn sie erzähle auch von der Kälte beim Beenden einer Beziehung.

Aber auch die folkloristische Perspektive Bizets auf Andalusien spiele eine Rolle. "Bizet ist der Karl May der Opernkomponisten", sagte Baumgarten, denn er sei nie in Spanien gewesen. Trotzdem sei seine musikalische Vision Andalusiens mit Stierkampf, Flamenco und Zigeunerinnen zum Inbegriff des Spanischen geworden.

Gesungen wird sie, wie an der Komischen Oper bislang üblich, auf Deutsch. "Natürlich hat man das immer im Französischen im Ohr und muss sich an das Deutsche etwas gewöhnen. Aber manche Sachen werden plötzlich auf eine berühmte Musik so deutlich geäußert, dass man positiv geschockt ist. Da ist es dann interessant." Das Regieteam arbeite mit einer neuen Übersetzung und habe die Dialoge in den Proben weiterentwickelt und ausgearbeitet. "Daher haben wir eine ganz eigene Fassung", sagte Baumgarten.

Die Rolle des mystischen Vamps Carmen singt die Mezzosopranistin Stella Doufexis, als Don Jose ist Timothy Richards zu hören. Die musikalische Leitung der Aufführung hat Stefan Blunier.
 

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