Hauptbild
Die doppelte Maria - West Side Story eröffnet Pfingstfestspiele in Salzburg. Foto: SF, Silvia Lelli
Die doppelte Maria - West Side Story eröffnet Pfingstfestspiele in Salzburg. Foto: SF, Silvia Lelli
Hauptrubrik
Banner Full-Size

Die doppelte Maria - West Side Story eröffnet Pfingstfestspiele in Salzburg

Publikationsdatum
Body

Salzburg - Die Salzburger Pfingstfestspiele sind am Freitagabend mit einer Premiere von Leonard Bernsteins Musical «West Side Story» eröffnet worden. Das Publikum in der Felsenreitschule feierte die italienische Sopranistin und Festivalchefin Cecilia Bartoli. Sie trat erstmals in einem Musical auf. Doch als Maria war sie fehlbesetzt.

Ein Musical bei den Salzburger Pfingstfestspielen? Das klingt weniger gewagt als es ist. Zumal, wenn es sich nicht um quasi industriell hergestellte Dutzendware handelt, wie sie in den Musicaltheatern großer Städte den Touristen vorgeführt werden, sondern um das Referenzwerk der Gattung, Leonard Bernsteins geniale «West Side Story». Mit der experimentierfreudigen italienischen Starsopranistin und Pfingstfestspiel-Intendantin Cecilia Bartoli als Maria hatte das 1957 uraufgeführte, aber immer noch taufrische Meisterwerk am Freitagabend seine umjubelte Premiere in der Salzburger Felsenreitschule. Riesenapplaus am Ende der nicht ganz zweifelsfreien Aufführung.

Ein Musical wie die «West Side Story» gehörte auf den Spielplan jedes größeren Opernhauses. Denn eigentlich handelt es sich hier wirklich um eine Oper, wenn auch im Gewand und in der Musiksprache des 20. Jahrhunderts und mit einem Text, der mit den von Rassenhass und Machismo grundierten Kämpfen verfeindeter Jugendgangs im New York der 50er Jahre und einer Liebesgeschichte zwischen den Fronten Themen behandeln, das bis heute aktuell sind. Unsterblich wird die «West Side Story» durch Hits wie «Maria», »America» oder «I feel pretty», Gassenhauer wie einst Mozarts Opernmelodien.

Das Problem des Abends war, man muss es leider sagen, Cecilia Bartoli. Die große Diva hat die Pfingstfestspiele ganz auf sich zugeschnitten und lässt es sich nicht nehmen, in den jeweiligen Opernproduktionen die Hauptrolle zu übernehmen. In den letzten fünf Jahren ihrer Intendanz, die dem Festval, einem Ableger der weltberühmten Salzburger (Sommer-)Festspiele, eine nie gekannte Aufmerksamkeit bescherten, hat das auch hervorragend funktioniert.

Als Maria aber war Bartoli eindeutig fehlbesetzt. Maria ist ein blutjunges, lebenslustiges Mädchen. Frisch nach New York eingewandert, verliebt sie sich in Tony, der einst die Jugendgang «Jets» mit gegründet hatte. Die «Jets» liefern sich eine Dauerfehde mit der aus Migranten bestehenden Gang «Sharks». Als der Streit eskaliert, ersticht Tony, mehr oder weniger ungewollt, Bernardo, den Anführer der «Sharks» und Bruder Marias. Dann nimmt das an Shakespeares «Romeo und Julia» gemahnende Drama seinen Lauf. Am Ende wird Tony in Marias Armen erschossen. Sie bleibt allein zurück und wirft sich in der Salzburger Deutung des Musicals vor einen Zug der New Yorker Untergrundbahn.

Weil die fast 50-jährige Bartoli eine Figur wie Maria nicht mehr glaubhaft verkörpern kann - auch ihre Stimme wirkte neben dem schlanken Tenor des US-Amerikaners Norman Reinhardt als Tony zu schwer und zu dramatisch - schuf Regisseur Philip WM. McKinley eine zweite Maria, verkörpert von der jungen Michelle Veintimilla. Sie sprach die (leider nicht deutsch übertitelten) Texte und agierte mit Tony und der riesigen Truppe der allesamt hoch professionell tanzenden und singenden Darsteller, während Bartoli meist still in der mit kunterbunten Graffiti dekorierten Bühnendekoration saß und versonnen in die Ferne blickte. Und natürlich die Arien sang.

Im Programmbuch schrieb der Regisseur, er habe die «ältere Maria» (Bartoli) geschaffen, um das Stück quasi aus der Perspektive einer gereiften Frau zu erzählen, die auf ihr eigenes Leben zurückblickt. So werde es dem Publikum ermöglicht, die Produktion nicht als bloße historische Wiedergabe eines in seiner Zeit verhafteten amerikanischen Musicals zu erleben. Kunstgriff oder Notlösung?

Auch Gustavo Dudamel am Pult des Simón Bolivar Symphony Orchestra of Venezuela ist nicht mehr der Feuerkopf, der er einmal war. Er setzte auf einen eher breiten, traditionell-opernhaften, manchmal fast lärmenden Sound. Echte Stimmung kam eigentlich erst ganz am Schluss auf, als die Darsteller schon im Applaus badeten. Als Dudamel den Orchestergraben verließ, um auf die Bühne zu steigen, legte das nun führungslose Orchester mit einer Wiederholung der schmissigsten Melodien aus der «West Side Story» richtig los.

 

Ort
Musikgenre