Morgen beginnen die 14. Thüringer Adjuvantentage. Sie wurden im Jahr 2008 zum ersten Mal durchgeführt. Hintergrund ist die europaweit wohl einzigartige reiche Musikkultur auf den Thüringer Dörfern des 16. bis 18. Jahrhunderts.
Bauern und Handwerker halfen (= lat. adjuvare) an Sonntagen dem Kantor bei der musikalischen Ausschmückung der Gottesdienste – es bildeten sich mit der Zeit die sogenannten Adjuvantenchöre, aus denen die heutigen Gemeinde- und Kirchenchöre hervorgegangen sind, wie der Academia Musicalis Thuringiae e. V. mitteilt. Was diese Bauern und Handwerker zu Gehör gebracht hatten, kann man getrost als Weltspitze bezeichnen: Kantaten, Motetten, Passionen und sogar Oratorien von Heinrich Schütz, Georg Philipp Telemann, Gottfried Heinrich Stölzel, Philipp Heinrich Erlebach, Johann Peter Kellner u. v. a. sind in den bisher aufgearbeiteten Archivbeständen nachgewiesen. In Udestedt bei Erfurt wurden sogar Werke von Andrea Gabrieli, Orlando di Lasso und John Dowland aufgeführt.
Inspirations- und Ausgangspunkt für die 14. Thüringer Adjuvantentage ist der historische Notenbestand der St.-Johannis-Kirche Neudietendorf, der durch akribische Restaurierung erst jüngst wieder lesbar gemacht wurde: So kann das Publikum erleben, wie man einst in diesen Gemeinden musizierte, sang und dabei sicher noch variierte. Der Fundus, welcher der Aufführung zugrundeliegt, spannt den Bogen von relativ einfachen kompositorischen Strukturen zu einem prachtvollen, festlichen Musizieren, geboten vom Ensemble 1684 unter Gregor Meyer.
Die 14. Thüringer Adjuvantentage finden vom 1. bis 3. September in Neudietendorf, Apfelstädt und Wandersleben statt.