Kiel - Eine Operninszenierung, wie es sie in Deutschland wohl noch nicht gegeben hat: Als interaktiven Comic bringt ein italienisches Regie- und Cartoonistenteam Rossinis «Die Reise nach Reims» auf die Bühne. Die Theater Kiel und Lübeck sind stolz auf ihre Koproduktion.
Ein Comicfilm als «Bühnenbild» und davor leibhaftige Opernsänger auf der Theaterbühne: Das Publikum in Kiel und Lübeck wird dies im nächsten Jahr in einer ungewöhnlichen Koproduktion erleben. Gioachino Rossinis «Die Reise nach Reims» wird als multimedialer Comic am 28. Januar in Kiel Premiere feiern und am 4. Februar in Lübeck. Bei der Vorstellung des Projektes zeigten sich die Spitzen beider Häuser am Montag in Kiel ebenso erfreut wie Schleswig-Holsteins Kulturministerin Anke Spoorendonk (SSW).
«Wir waren sofort restlos begeistert von der Idee», sagte der Kieler Generalintendant Daniel Karasek. Das Vorbild kommt aus Italien: Der italienische Regisseur Pier Francesco Maestrini hat bereits am Teatro Filarmonico in Verona mit Rossinis «Der Barbier von Sevilla» dieses Zusammenspiel von Realität und Fiktion gezeigt. Gemeinsam mit dem Cartoonisten, Animator und Illustrator Joshua Held gestaltet Regisseur Maestrini nun auch exklusiv für die Theater in Kiel und Lübeck das Bühnengeschehen. Ausschnitte vom «Barbier» aus Verona machen deutlich, wie sehr Sänger auf der Bühne und Film-Comic harmonieren können.
Daraus wäre aus Kostengründen nichts geworden, hätten nicht beide Bühnen die Kooperation geschmiedet. Konzept und Comic machen die Sache nicht billig. Eine normale Produktion koste zwischen 30 000 und 50 000 Euro, sagte Karasek auf die Frage nach den Kosten. «Das war schon mehr.» Eine Summe wollte Karasek nicht nennen. «Zwei Theater können sich etwas leisten, was sich ein Theater nicht leisten könnte.» Kostensparend wirkt sich bei dieser Kooperation aus, dass in diesem Fall keine großen Bühnenbilder hin und her transportiert werden müssen. Ein gemeinsamer Probenprozess erspart Zeit. Beide Theater bringen die Oper mit einem jeweils eigenen Sängerensemble auf die Bühne. In Kiel sind zwölf Aufführungen vorgesehen, in Lübeck elf.
«Es ist einfach ein traumhaftes Projekt», sagte der Lübecker Theaterdirektor Christian Schwandt. Mit solchen Kooperationen könne sein Haus auch mit größeren Theatern mithalten. «Natürlich werden wir Abenteuer dabei erleben.» Operndirektorin Katharina Kost-Tolmein verspricht sich eine große Anziehungskraft für das Publikum.
«Das wird eine ganz großartige Sache werden», sagte Kulturministerin Spoorendonk. Das Vorhaben sei sehr viel mehr als nur ein Zweckbündnis, sondern bedeute einen Quantensprung für die Theaterarbeit im Land. Mit dem Format sei es möglich, auch eine neue Zielgruppe anzusprechen: «Wir haben in Schleswig-Holstein eine lebendige Comic-Szene.» Zudem werde Kreativität im Musiktheater neu definiert und durch die Kooperation mit Verona bekomme das Ganze auch eine internationale Komponente. Verona und Kiel/Lübeck wollen ihre beiden Produktionen «Der Barbier von Sevilla» und «Die Reise nach Reims» in einer der nächsten Spielzeiten jeweils tauschen.