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Theaterpreis "Der Faust" 2012 in Erfurt verliehen

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Erfurt - Für herausragende Leistungen in der Theaterarbeit ist am Samstagabend der Deutsche Theaterpreis "Der Faust" 2012 verliehen worden. In der Kategorie "Beste Regisseure/Musiktheater" erhielten Jossi Wieler und Sergio Morabito den Preis für ihre Inszenierung "Die glückliche Hand - Schicksal (Osud)" an der Oper Stuttgart.

 

"Ich finde es ein tolles Signal, dass Wagemut auf diese Art belohnt wird", sagte Morabito in Hinblick auf das aktuelle Stück der beiden seit 18 Jahren gemeinsam arbeitenden Regisseure.

Unter anderem wurde Burghart Klaußner für seine Rolle des Willy Loman in "Tod eines Handlungsreisenden" ausgezeichnet. Klaußner sei es gelungen, die oft gesehene Figur des Loman in einer "grandiosen Weise aufzufalten", sagte der Intendant des St. Pauli Theaters Hamburg, Ulrich Waller, bei der Verleihung im Theater Erfurt.

Mit stehenden Ovationen wurde das Autorenteam Tankred Dorst und Ursula Ehler für ihr Lebenswerk vom Publikum bedacht. "Dorst und Ehler haben das deutsche Nachkriegsdrama geprägt wie kaum ein anderer Autor", sagte die Leiterin des Berliner Theatertreffens, Yvonne Büdenhölzer. Das seit 40 Jahren gemeinsam arbeitende Künstlerehepaar sei eine einzigartige Erscheinung in der deutschen Literaturlandschaft.

Viel Beifall für Matthias Lilienthal

Frenetischen Beifall erntete auch der frühere Intendant des Berliner Theaterkombinats "Hebbel am Ufer", Matthias Lilienthal. Er wurde vom Präsidenten des Deutschen Bühnenvereins, Klaus Zehelein, persönlich mit dem Preis des Präsidenten ausgezeichnet. In seiner Dankesrede warb Lilienthal für die Schaffung und den Erhalt von freien Spielstätten. Vor allem der Süden und Osten Deutschlands seien in diesem Punkt noch "unterversorgt". Burghart Klaußner sowie der Preisträger in der Kategorie "Regie Schauspiel", Martin Kušej und der Gewinner der Sparte "Choreografie", Martin Schläpfer, konnten ihre Auszeichnungen nicht persönlich entgegennehmen.

Der Schauspieler Edgar Selge nutzte seinen Auftritt als Laudator zu einem eindringlichen Appell zur Rettung des Schauspielhauses in Wuppertal und anderer von Sparmaßnahmen betroffener Spielstätten. "Die schlechte Auslastung eines Hauses ist kein Schließungsgrund", sagte Selge. "Die Parlamente werden auch nicht abgeschafft, wenn Politiker sporadisch zu Sitzungen kommen." Am 27. März sei eine Schauspieler-Initiative im Schauspielhaus Wuppertal geplant, bei der die grundsätzliche Situation der deutschen Stadttheater mit Politikern diskutiert werden solle.

Der deutsche Theaterpreis wird in acht Kategorien verliehen und gilt als Oscar der deutschen Theaterlandschaft. Hinzu kommen die Sonderkategorien "Lebenswerk" und "Preis des Präsidenten". Der Deutsche Bühnenverein vergibt den nicht dotierten Preis zusammen mit der Kulturstiftung der Länder, der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste und den Bundesländern.

 

Die Preisträger der Faust-Verleihung

Regie Schauspiel - Preisträger: Martin Kušej, "Die bitteren Tränen der Petra von Kant", Bayerisches Staatsschauspiel Laudator: Edgar Selge

Darstellerin/Darsteller Schauspiel - Preisträger: Burghart Klaußner, Willy Loman in "Tod eines Handlungsreisenden", St. Pauli Theater Hamburg

Regie Musiktheater - Preisträger: Jossi Wieler/Sergio Morabito, "Die glückliche Hand/Schicksal (Osud)", Oper Stuttgart

Sängerdarstellerin / Sängerdarsteller Musiktheater Preisträgerin: Ana Durlovski, Amina in "Die Nachtwandlerin", Oper Stuttgart

Choreografie Preisträger: Martin Schläpfer, "b.09 - Ein Deutsches Requiem", Ballett am Rhein Düsseldorf Duisburg

Darstellerin / Darsteller Tanz Preisträger: William Moore, Olivier Brusson in "Das Fräulein von S.", Stuttgarter Ballett

Regie Kinder- und Jugendtheater Preisträger: Barbara Bürk, "Alice im Wunderland", Deutsches Schauspielhaus Hamburg

Bühne / Kostüm Preisträger: Barbara Ehnes / Chris Kondek, "Quijote. Trip zwischen Welten", Thalia Theater Hamburg

Den Preis für das Lebenswerk erhält der Dramatiker, Schriftsteller und Regisseur Tankred Dorst gemeinsam mit seiner Ehefrau und Co-Autorin Ursula Ehler für ihr vielperspektivisches und herausragendes dramatisches Schaffen.

Der Preis des Präsidenten geht an den Dramaturgen und Intendanten Matthias Lilienthal für seine innovativen und prägenden, genre- und länderübergreifenden Programmentwicklungen.

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