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„Winter in Schwetzingen“ vom 14.12.08 bis 12.02.09

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„Sogar in Venedig ... muss man den obersten Platz auf dem Podium der Barockmusik nolen volens an Heidelberg abgeben,“ schrieb die Frankfurter Allgemeine Zeitung nach den beiden Erstausgaben des „Winter in Schwetzingen“. Nach einer beeindruckenden Steigerung der Besucherzahl im letzten Jahr findet das vom Theater und Philharmonischen Orchester der Stadt Heidelberg veranstaltete Barock-Fest nun zum dritten Mal im Rokokotheater statt.

Im Mittelpunkt steht wiederum ein Stück des auf der Opernbühne allzu lange vernachlässigten Venezianers Antonio Vivaldi. Er schrieb „Tito Manlio“ 1719 für eine Fürstenhochzeit in Mantua, die dann allerdings auf groteske Weise ins Wasser fiel. Der Inhalt der Oper jedoch ist sehr ernst: Weil sein Sohn sein Friedensgebot missachtet und einen Gegner getötet hat, muss der Konsul Titus Manlius ihn zum Tode verurteilen. Das stürzt nicht nur dessen Geliebte in schwere Gewissensnöte, so dass am Ende ein kleiner Militärputsch die Machtverhältnisse kurz zum Beben und den jungen Manlius wieder in Freiheit bringt.
 
Das Libretto hatte ein höchst interessantes Nachleben in Mozarts „Titus“ – und diese spannenden Verbindungen wird Prof. Silke Leopold bei ihrem Festvortrag vor der Premiere erläutern. Die Musik dieser in Deutschland nie zuvor gespielten Oper ist von großer Brillanz und gibt nicht nur den Sängern, sondern auch dem Philharmonischen Orchester Gelegenheit zum Glänzen. Das Orchester bereitet sich auf das historisch informierte Musizieren wieder in einem Workshop mit einer Barock-Spezialistin vor. Das bewährte Sängerensemble des Heidelberger Theaters wird ergänzt durch Spezialisten aus der Barockszene.
 
Die Opernaufführungen werden begleitet von einer Reihe aufregender Konzerte. Besonders hohe Erwartungen weckt der junge Pariser Starorganist Benjamin Alard, der im letzten Jahr bei seinem Deutschland-Debüt mit einem großartigen Cembaloabend auf sich aufmerksam machte. Diesmal spielt er ein Weihnachtskonzert auf der historischen Barockorgel in der Schwetzinger Schlosskapelle.
 
Die Heidelberger Philharmoniker stellen unter der Leitung von Michael Form Musik von Georg Friedrich Händel (am 14.04.09 jährt sich zum 250. Mal sein Todestag) und Joseph Haydn einander gegenüber, dessen Todestag sich am 31.05.09 zum 200. Mal jährt. Spannend ist dabei, diesen kleinen, aber entscheidenden Übergang zu erleben, den Haydn aus dem barocken Zeitalter, in dem er groß wurde, in die Klassik gestaltet hat und mit dem er die vielleicht größte musikalische Revolution der Geschichte ausgelöst hat.
 
Ein Gastspiel des Ensemble Entr’acte aus Basel widmet sich dem gleichen Thema. Joseph Haydn entwickelte das Streichquartett zu der bewunderten Form, in der sich der Geist der Wiener Klassik am reinsten ausdrückte. Doch er nahm seine Idee natürlich nicht aus der Luft. Vorläufer-Stücke für diese Besetzung von zwei Geigen, Bratsche und Cello gab es auch schon im Barock. Und mit dieser reizvollen Musik machen uns die jungen Musiker bei einem Abend in der Schlosskapelle bekannt.
 
In diesem Winter stellt sich außerdem Michael Form zum ersten Mal mit seinem eigenen Ensemble „Les Flamboyants“ vor, das durch CDs und Konzerte einen Ruf für das Außergewöhnliche gewonnen hat. Die Musiker präsentieren eine besondere Richtung der französischen und flämischen Musik um Josquin Dezprez und Jean Japart. Die Spezialität des Letzteren war es, populäre Melodien auf besonders kunstvolle Weise miteinander zu verweben. In Deutschland nannte man eine ähnliche Form „Quodlibet“, Japart hingegen schrieb „Fricassées“ – das hat gar nichts mit Hackfleisch zu tun, wohl aber mit der Kleinteiligkeit der Vorlagen, die das Material für die große Form lieferten.
 
Was wäre ein Barock-Fest ohne Johann Sebastian Bach? Der Heidelberger Konzertmeister Thierry Stöckel präsentiert mit Prof. Arnold Werner-Jensen den kompletten Zyklus von Bachs Violinsonaten an zwei aufeinander folgenden Abenden in der Schlosskapelle. Karten sind sowohl für die Einzelabende als auch für das Doppel erhältlich.
 
Die künstlerische Leitung liegt wieder in den Händen des Heidelberger Operndirektors Bernd Feuchtner, der das Festival aufgebaut hat und nach seinem Wechsel nach Salzburg auch weiterhin planen wird. Der Vorverkauf für den „Winter in Schwetzingen“ beginnt am 1.10.08. Einen Frühbucherrabatt von 10 % gibt es bis zum 31.10.

 

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