Rudolstadt (dpa/th) - Folk, Reggae oder experimentelle Musik: Am Wochenende sind Zehntausende Musikfans beim Rudolstadt-Festival auf ihre Kosten gekommen. Am Samstag, dem besucherstärksten Tag, besuchten rund 34 000 Menschen die Konzerte, wie eine Sprecherin der Veranstalter am Sonntag sagte.
Das Rudolstadt-Festival gilt als größtes Festival für Weltmusik in Deutschland. In der Stadt verteilt spielten auf rund 30 Bühnen von Donnerstag bis Sonntag mehr als 130 Bands und Solokünstler aus 55 Ländern. Große Open-Airs im Heinepark standen ebenso auf dem Programm wie kleine Hinterhof-Konzerte. Dabei wurden vielfältige Genres bedient, unter anderem Jazz, Folk, Reggae, Indie und experimentelle Musik.
Der Schwerpunkt lag in diesem Jahr auf iranischer Musik. Unter anderen trat der Sänger Shahin Najafi auf, den verschiedene muslimische Geistliche mit einer Fatwa belegt haben - also einem Rechtsgutachten, das seine Ermordung erlaubt. Zu den Headlinern des Festivals zählten Lizz Wright, Seun Kuti und Ólafur Arnalds. Das Festival sollte am Sonntagabend mit einem Konzert der Alternative Country-Band Cowboy Junkies zu Ende gehen.
Die 25 000 Vier-Tages-Tickets waren im Vorfeld ausverkauft. Zusätzlich gab es Tickets für die einzelnen Tage. «Der starke Zuspruch freut uns nicht nur für das Festival, sondern besonders auch für die iranischen Künstler und Künstlerinnen», teilte Programmdirektor Bernhard Hanneken am Sonntag mit. «Auch wenn der Iran immer wieder für neue Schlagzeilen sorgt - im Grunde wissen wir sehr wenig über das Leben der Menschen. Das Festival konnte hier hoffentlich einen Beitrag zu persönlicher Begegnung leisten.»
Zu den Höhepunkten des Festivals gehört alljährlich die Vergabe des Weltmusikpreises Ruth im Hof von Schloss Heidecksburg. Der Hauptpreis ging diesmal an den Hackbrettspieler Rudi Zapf für sein Lebenswerk. Zapf «holte das Hackbrett aus dem akademischen Elfenbeinturm, verband Volksmusik mit Rock und Pop, spielte Alpines und Irisches», so die Zuordnung der Veranstalter. Die Ehren-Ruth bekam der Musikagent Siegfried Maeker für seine Verdienste um die Musik der Sinti und Roma, die er in der Bundesrepublik seit Mitte der 1960er Jahre wieder auf die Bühnen brachte. Zu den Künstlern, die Maeker betreute, gehörten unter anderem das Ensemble um den Geiger Schnuckenack Reinhardt und das Häns'che Weiss Quintett. Mit der Förder-Ruth wurde die deutsche Band The Sephardics ausgezeichnet. Der Schwerpunkt ihres Programms besteht aus sephardischen Liedern, also Liedern der jüdischen Bevölkerung in Spanien, die die Band in einem musikalisch jazz-rockigen Zusammenhang arrangiert. Die Festival-Ruth erhielt das Konzertkabarett Gankino Circus aus Franken, das sich selbst als «vier virtuose Musiker, begnadete Geschichtenerzähler und kauzige Charakterköpfe» beschreibt. Der deutsche Weltmusikpreis Ruth wird seit 2002 im Rahmen des Rudolstadt-Festivals vergeben.
Die Geschichte des Festivals reicht bis 1955 zurück. Damals fand in Rudolstadt nach Informationen der Veranstalter das «1. Fest des deutschen Volkstanzes» statt, das zu einem DDR-Tanz- und Folklorefest wurde, zu dem zahlreiche Gruppen aus Osteuropa anreisten. Nach der Wende modernisierte die Stadt 1991 das Konzept.