Das Werkgymnasium ist ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium mit Ganztages- und Mensabetrieb. Zu der normalen Stundentafel werden als Besonderheit praktische Kurse vier- beziehungsweise fünfstündig pro Woche unterrichtet. Sie beginnen schon in der Unterstufe mit dem Praktischen Grundkurs. Nach einer Orientierung in Klassenstufe 7 wählen die Schüler bis zum Abitur einen der weiterführenden Profilkurse: entweder Kurs A, der ingenieurwissenschaftlich-technisch orientiert ist, oder Kurs B mit naturwissenschaftlich-experimenteller Zielsetzung oder Kurs C, der medientechnisch-künstlerische Ziele verfolgt. Dabei werden unter anderem Aufnahmetechnik und Bearbeitungsmöglichkeiten im Videobereich vermittelt. Seit zwei Jahren wird die Konzeption eines Medienprofils erarbeitet, in dem der Computer als zentrales Medium eingesetzt wird.
Das Werkgymnasium ist ein mathematisch-naturwissenschaftliches Gymnasium mit Ganztages- und Mensabetrieb. Zu der normalen Stundentafel werden als Besonderheit praktische Kurse vier- beziehungsweise fünfstündig pro Woche unterrichtet. Sie beginnen schon in der Unterstufe mit dem Praktischen Grundkurs. Nach einer Orientierung in Klassenstufe 7 wählen die Schüler bis zum Abitur einen der weiterführenden Profilkurse: entweder Kurs A, der ingenieurwissenschaftlich-technisch orientiert ist, oder Kurs B mit naturwissenschaftlich-experimenteller Zielsetzung oder Kurs C, der medientechnisch-künstlerische Ziele verfolgt. Dabei werden unter anderem Aufnahmetechnik und Bearbeitungsmöglichkeiten im Videobereich vermittelt. Seit zwei Jahren wird die Konzeption eines Medienprofils erarbeitet, in dem der Computer als zentrales Medium eingesetzt wird.Technische Kompetenz als VoraussetzungBei dem Einsatz des Computers im Musikunterricht muss auf jeden Fall die Voraussetzung der technischen Kompetenz angesprochen werden. Wie oft haben Schüler oder Kollegen erklärt, welche tollen Möglichkeiten ein solcher Rechner bietet.
Der Computer kann Bilder mit Musik vereinen. Unterricht über das Netz ist möglich. Schüler können mit einem Notationsprogramm Noten schreiben und ihre Komposition gleich anhören. Solche Aussagen lassen sich jedoch nur dann sinnvoll verwirklichen, wenn die jeweilige Unterrichtseinheit didaktisch sorgfältig vorbereitet ist und jede Phase zuvor vom Lehrer selbst am Computer ausprobiert wurde. Schnell verliert der Lehrer ansonsten den Überblick über die Arbeit der Schüler am Computer und frustriert damit sich, später auch die Schüler.
Daher muss beim Einsatz des Computers die Vorbereitung des Unterrichtes wesentlich intensiver sein, als dies bei der Verwendung der meisten anderen Medien im Unterricht der Fall ist. Der souveräne Umgang des Lehrers mit dem Computer ist unbedingte Voraussetzung für seinen Unterricht und Umgang mit ihm.
Daneben sollte an der Schule die Zusammenarbeit mit den Kollegen konstruktiv sein, die die Computereinrichtung betreuen. Immer wieder wird es Rückfragen bezüglich der Möglichkeiten eines schulinternen Netzwerks geben.
Voraussetzungen für die Unterrichtsreihe
Als sich im vergangenen Jahr das Schuljahr dem Ende näherte, stand in einer achten Klasse noch die Unterrichtseinheit „Populäre Musik“ an. Erfahrungsgemäß bleiben in dieser Jahreszeit Stunden, die man gut dazu nutzen kann, etwas zu erarbeiten, bei dem die Schüler ein anderes Ziel vor Augen haben als die nächste Klassenarbeit. Daher nahm ich mir vor, mit der Klasse ein gemeinsames Arrangement zu produzieren. Um zu zeigen, welche technischen Möglichkeiten sich durch einen Computer für die Musikindustrie, insbesondere für die Popmusik ergeben, entschied ich mich für den Einsatz dieses Mediums im Unterricht.
Aktuelle Hits und Stilrichtungen standen bei dieser Einheit weniger im Vordergrund. Diesen Bereich sollten Referate zu einzelnen Popgruppen oder Interpreten abdecken. Wichtiger erschien mir, die Entwicklung und Geschichte der Popularmusik einzubeziehen. Aktuelle Interpreten im Unterricht zu behandeln stellt sich erfahrungsgemäß als schwierig dar, da dies in einer Klasse sehr schnell zu Polarisierungen nach Stilrichtungen oder Fangruppen eines speziellen Stars führen kann, die einer sachgemäßen Diskussion und Arbeit im Wege stehen können. Daher sollte sich die Einheit in drei Schwerpunkte gliedern: a) der Wissensvermittlung von Geschichte und Entwicklung der Popmusik; b) Referate zu aktuellen Interpreten, Popgruppen und Stilen; c) dem möglichst praxisorientierten Einsatz des Computers mit der Produktion eines Songs.
Als Glücksfall erwies sich, dass ein Kollege aus dem Physik- und Mathematikbereich von der Idee, einen Song mit dem Computer zu arrangieren und aufzunehmen, begeistert war. Er erklärte sich bereit, die Einrichtung eines „Aufnahmestudios“ vorzunehmen, anschließend den Song endgültig abzumischen und sich um die Vervielfältigung zu kümmern. Ohne seine Unterstützung wären wir innerhalb der verhältnismäßig kurzen Zeit nicht zu dem erhofften Ergebnis gekommen. Er brachte die nötige technische Kompetenz mit, während ich mich mit den Schülern auf die eigentliche Aufgabe der Wissensvermittlung und dem Arrangieren eines Songs konzentrieren konnte.
Grundsätzliche Planung
Wie kann eine solche komplexe Einheit nun innerhalb von acht Wochen verwirklicht werden? Eine präzise zeitliche Planung war notwendig. Zuerst mussten einige Stunden „traditionellen“ Musikunterrichts zur Geschichte und den Merkmalen der Popmusik erfolgen. Hier sollten Voraussetzungen für die Projektphase geschaffen werden. Dann konnte die Stilrichtung des „Rock’n’Roll“ herausgegriffen werden. Bei entsprechender Begeisterung der Schüler wollte ich mit ihnen einen solchen Song arrangieren und produzieren. Das Ergebnis könnte dann beim Schulfest am Ende des Schuljahres den Besuchern zum Verkauf angeboten werden.
Expertenteams
Wie kann eine Klasse von 25 Schülerinnen und Schülern bei der Produktion eines Songs mit dem Computer zu einem gemeinsamen Ergebnis kommen? Hier bietet sich die arbeitsteilige Gruppenarbeit an. Expertenteams sollten gebildet werden. Jede Gruppe befasst sich mit je einem Bereich wie Text/Melodiestimme, Gitarrenbegleitung, Schlagzeugbegleitung, Harmonieinstrument. Da es mehrere Teams mit gleicher Aufgabe geben wird, kann nach gegenseitiger Absprache nur das bessere Ergebnis verwendet werden. Die Teams sollten sich regelmäßig absprechen. Eine solche Aufteilung in Experten auch für die einzelnen Begleitinstrumente funktioniert gut, wenn sich alle Gruppen an einem Harmonieschema, hier dem „Bluesschema“, orientieren. Dieses Schema liegt den meisten Titeln des Rock’n’Roll zugrunde und ist für diesen Stil typisch.
Unterrichtszusammenhang
Die gesamte Unterrichtseinheit begann ich mit einer Stunde, in der Ausschnitte aus den verschiedensten Aufnahmen der Popmusik, Volksmusik, dem Bereich des Klassik-Rock und anderen Musikstilen verglichen wurden. Rasch diskutierten die Schüler, was Popmusik überhaupt ist. Das Ergebnis war, dass diese Musikrichtung aufgrund ihres soziologischen Hintergrundes definiert werden muss. Die Musikrichtung zeichnet sich durch ihre massenweise Verbreitung aus. Auch unterliegt sie gesellschaftlichen Modeerscheinungen. Schüler der achten Klasse ordnen in diesem Zusammenhang Titel der Beatles oder von Elvis Presley nur sehr ungern dem Bereich der Popmusik zu. Lediglich aus der Perspektive der jeweiligen Zeit konnten die Schüler verstehen, dass die Lieder solcher Interpreten zu ihrer Zeit populär waren.
Die Diskussion konnte sehr sachlich geführt werden, da emotionale Vorlieben für Gruppen, Interpreten oder bestimmte Titel keine Rolle spielten. Anschließend erarbeiteten wir Entwicklungen und die Geschichte der Popmusik, die durch verschiedene Referate ergänzt wurden. Hier konnten die Schüler ihr Vorwissen zu Stilformen und aktuellen Hits einbringen.
Nachdem auch Stilformen der 50er- und 60er-Jahre thematisiert waren, konnte ich den „Rock’n’Roll“ herausgreifen und die Klasse fragen, was sie von dem Vorschlag halte, einen Rock’n’Roll-Titel unter Einbeziehung des Computers selbst zu arrangieren, zu texten und insgesamt zu produzieren, um das Ergebnis beim Schulfest zum Verkauf anzubieten. Dieser Schritt ist für ein solches Projekt sehr wichtig, da anschließend auf die Solidarität der Klasse gebaut werden kann. Die Schüler waren sehr erfreut, da sie eine willkommene Abwechslung zum normalen Unterricht sahen. Nun war es ein Leichtes, in die eigentliche Projektphase einzusteigen, in der der Computer zum wesentlichen Hilfsmittel wurde.
Der Unterrichtsverlauf im Überblick
1. Die Merkmale des Rock’n‘Roll
Eingebettet in die Unterrichtseinheit „Populäre Musik“ erarbeiteten wir die Merkmale des Rock’n’Roll. Folgende Beispiele eigneten sich zum Singen und Hören: „Jonny B. Goode“ von Chuck Berry / „Jailhouse Rock“ von Elvis Presley. Anschließend galt es, die musikalischen Mittel herauszufinden, die den Liedern ihren spannungsreichen und bewegten Ausdruck verleihen und ihnen schließlich zum kommerziellen Erfolg verhalfen. Sehr schnell fiel dabei im Lied „Jonny B. Goode“ die „blue note“ (Ton es’) auf, die pro Strophe im Vergleich zum Grundton (16-mal) 45-mal zu hören ist. Erste Bezüge zum Blues lagen nahe. Im weiteren Verlauf wurde das Bluesschema herausgearbeitet, welches in beiden Beispielen nachzuweisen ist.
Daneben erfuhren die Schüler im Unterricht den Bezug zum „Rhythm and Blues“, der mit seinen schnellen, hämmernden Rhythmen und seiner schrillen Besetzung in beiden Titeln deutlich wird. Volkstümlichen Elementen der „weißen“ „Country & Western“ Musik können in den Liedern ebenso herausgestellt werden wie die virtuose Gitarren- und Banjobegleitung des „Country & Western“-Stils der zum Beispiel in den Gitarrensoli der Rock’n’Roll Titel Eingang gefunden hat. Daher war der Zusammenhang von „Rhythm and Blues“ und „Country and Western“ im „Rock’n’ Roll“ klar.
2. Aufgabenbeschreibung und Einteilung der Expertenteams:
Nachdem deutlich war, auf welche Merkmale es beim Rock’n’Roll ankommt, konnten der Klasse spezielle Aufgaben zur Bearbeitung erläutert werden. So wurde zum Beispiel geklärt, worauf es bei einem Schlagzeugarrangement ankommt. Ein kurzes Beispiel wurde gemeinsam am Computer eingegeben.
Nun wurden Expertenteams gebildet. Die einzelnen Gruppen hatten sich jeweils zu kümmern um die Aufnahme beziehungsweise Computereingabe eines Bereiches: a) Schlagzeug; b) Akkordinstrumente (Strings oder Keyboard); c) Bass; d) Gitarrenakkorde (Akkorde und ein Solo); e) Melodiestimme der Bläser (z. B. Saxophon oder Trompete); f) Melodie der Gesangsstimme / Liedtext. Da wir bei 25 Schülern mehrere Expertenteams mit gleicher Aufgabe hatten, musste klargestellt werden, dass jeweils nur das bessere Ergebnis weiterverwendet werden konnte.
3. Einführung der Musiksoftware:
Nachdem die Aufgaben verteilt waren, galt es, sich mit der Musiksoftware vertraut zu machen. Die Schüler lernten, auf welche Weise die Noteneingabe möglich ist und mit welchen Ansichten sich arbeiten lässt (Spuransicht, Clipansicht, Partituransicht, Piano-Roll Ansicht, Event-Ansicht, u. a.). Die Klasse konnte anschließend Noten von Hand eingeben, Patterns verschieben, kopieren und schneiden. Hier waren schon weiterreichende Vorkenntnisse mehrerer Schüler aus einer früheren Arbeitsgemeinschaft vorhanden.
4. Arbeit der Expertenteams
Damit die Ergebnisse der einzelnen Teams tonartlich und im weiteren Verlauf aufeinander abgestimmt waren, bekamen die Schüler eine MIDI-Grunddatei mit mehreren Verläufen des Bluesschemas in C-Dur vorgelegt. An diesem Schema hatte sich die Noteneingabe jeweils zu orientieren. Die Schüler brachten somit ihre Arrangements mit dem Schema in Einklang. Alle Entwürfe waren daher tonartlich und formal stimmig.
Zur Arbeit der Expertenteams: Die Ergebnisse einer jeden Stunde mussten auf Diskette abgespeichert werden und wurden von mir nach jeder Unterrichtsstunde zu Hause überprüft und verglichen. Verschiedenartige Einspielungen von Expertenteams mit gleicher Aufgabe hörten wir zu Beginn der jeweils nächsten Stunde kurz an und besprachen sie. Danach wurden die Ergebnisse von den Schülern entweder korrigiert oder aber wir mussten uns für ein Ergebnis zum Weiterarbeiten entscheiden.
5. Stimmbildung und Probenarbeit
Das fertige Ergebnis wurde im Klassenverband gesungen und geprobt. Mit zunehmender sängerischer Sicherheit der Schüler konnte damit gerechnet werden, dass sich der ein oder andere bereit erklärte, den Gesang solistisch vorzutragen. Schließlich musste dann sogar unter mehr als 15 Schülerinnen und Schülern eine Auswahl getroffen werden. Damit möglichst viele Sänger einbezogen werden konnten, wurden die Strophen mit verschiedenen Schülern besetzt. Beim Refrain wollten ebenfalls mehrere Teilnehmer des Projektes mitsingen. Die Aufnahme erfolgte in unserem neu eingerichteten „Tonstudio“.
6. Entwurf des CD-Covers:
Nach der Gesangsaufnahme und Produktion der Audio-CD arbeiteten die Schüler am Entwurf eines Covers (siehe Abb.). Schließlich sollte die Aufnahme am Schulfest zum Verkauf angeboten werden. Aufgrund der mangelnden Unterrichtszeit am Schuljahresende wollten die Schüler die Arbeit in ihrer Freizeit erledigen. Das Ergebnis des Unterrichtprojektes kann auf unserer Seite www.weg-musik.de im Internet eingesehen und angehört werden.
Didaktische Ergebnisse
Innerhalb eines solchen computergestützten, praktisch orientierten Projektunterrichtes lassen sich mehrere Unterrichtsziele geschickt miteinander vereinen:
a) Die Schüler können die Arbeitsschritte der Produktion eines Songs, wie sie auch in der Realität durchgeführt werden, sehr klar nachvollziehen, da sie diese selbst angewandt haben. Zudem wurde sehr deutlich, wie sich Noteneingaben oder Einspielungen sehr einfach bearbeiten lassen. Ebenso war mehreren Schülern bis dahin nicht bewusst, wie einfach eine Phrase mit dem Computer uminstrumentiert werden kann.
b) Soziales Lernen ergab sich in der Unterrichtseinheit von alleine. Die Schüler mussten innerhalb der Expertenteams Absprachen treffen und kooperieren. Weil die Thematik der einzelnen Gruppen ineinander griff (zum Beispiel Melodik-Text, Ausdrucksgehalt-Sounds), mussten die Schülergruppen auch aufeinander zugehen und sich mit anderen Expertengruppen absprechen. Dadurch entstand ein sehr reges und motiviertes Arbeitsklima.
c) „Medienkompetenz“ erwarben die Schüler, da sie 1. mit dem Computer Musik selbst gestalten konnten, 2. den Produktionsablauf bei der Entstehung eines Musikstückes der Populären Musik nachvollziehen mussten, 3. die Möglichkeiten der Tonbearbeitung ausprobierten und reflektierten, 4. ihr Vorwissen bezüglich des Computers mit einbeziehen konnten.
d) Die Schüler waren bis zur letzten Unterrichtsstunde vor den Sommerferien motiviert.
Welche Vorteile ergeben sich nun durch den Einsatz des Musikcomputers für die Schüler?
Sicher ist, dass viele von ihnen schon zu Hause mit diesem Medium umgehen. Ein Teil der Schüler ist gewöhnt, sich am Computer mit Spielen die Zeit zu vertreiben oder im Internet zu surfen. Sollten wir nicht versuchen zu zeigen, welche anderen Möglichkeiten der Computer vor allem im Musikbereich noch bietet? Dass der Einsatz des Computers in Studios eine Selbstverständlichkeit ist, dürfte bekannt sein. Daher entspräche es bei einer solchen Unterrichtseinheit „Populäre Musik“ nicht der Lebenswirklichkeit, würde man den Computer mit seinen Möglichkeiten der klanglichen Manipulation außer Acht lassen. Oft ist in Aufnahmen nur mehr sehr schwer zu unterscheiden, ob es sich um Originaleinspielungen oder gesamplete Aufnahmen handelt. Diese Tatsache war im Unterricht verschiedenen Schülern nicht bewusst. Sie haben durch den Einsatz des Computers ein kritischeres Verhältnis zu Musikeinspielungen aus dem populären Bereich bekommen. Sicher gibt es auch Schüler, die den Umgang mit dem Computer nicht gewöhnt sind. Wird jedoch in Gruppen gearbeitet, in denen sich die Schüler gegenseitig unterstützen, bekommen auch diese Schüler Hilfen und einen Zugang zu dem Medium insgesamt.