Body
Thomas Eickhoff: Politische Dimensionen einer Komponisten-Biographie im 20. Jahrhundert – Gottfried von Einem, Stuttgart: Franz Steiner, 1998, 360 Seiten.
linie.gif (77 Byte)
Die Biografie in der jüngeren Musikgeschichte hat einen schweren Stand, insbesondere wenn es um deutsch-österreichische Komponisten geht, die auch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aktiv waren.
Wie nun die zweifellos komplexen Beziehungen zwischen Künstler und Gesellschaft in den Griff zu bekommen sind – und das auch noch in schwierigen Zeiten –, zeigt Thomas Eickhoff in seiner Wuppertaler Dissertation von 1996 anhand von Gottfried von Einem.
Unendlich zahlreiche Materialien von und über Einem hat Eickhoff seiner Studie zugrunde gelegt und dabei nahezu jedes Detail auf Authentizität und Faktizität überprüft, so dass nicht nur eine fundierte bibliografische Arbeit über den Komponisten Einem und seine gesellschaftliche Einbindung beziehungsweise Verstrickung in die Zeitgeschichte entstanden ist, sondern darüber hinaus ein zentrales Grundlagenwerk, von dem ähnlich arbeiten wollende Historiker wichtige methodologische Anregungen erhalten können. Diese allerdings präsentiert der Autor nicht, wie zuweilen langweilig üblich, in einer oft verkomplizierenden Einleitung; vielmehr geht die Methodik einher mit der erzählend-analytischen Darstellung, die im übrigen gut, schlüssig und fließend zu lesen ist. Im Anhang hat Eickhoff noch einige schwer zugängliche Texte von Einem versammelt, eine löblich ausführliche Bibliografie hinzugefügt und ein Gespräch, das er mit Einem 1993 geführt hat und das eindrucksvoll das grob-derb-bös-überhebliche Sprechen des Komponisten über Musik und die Welt veranschaulicht.