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Flexible Spezialisten: das oh ton-Ensemble. Foto: oh ton e.V.
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Zwischen Peripherie und klangpol

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Regionalgesellschaften der GNM, Teil 2: oh ton – Förderung aktueller Musik, Oldenburg
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Die Lage Oldenburgs im Nordwesten Deutschlands ist immer noch eine an der Peripherie, und das trotz des weltoffenen und lebendigen kulturellen Lebens der Stadt. Und so gab sich 1990 der Oldenburger Verein „oh ton – Förderung aktueller Musik“ trotzig-kokett den später gestrichenen Namenszusatz „in der Provinz“. Dabei waren bereits an der Gründung Künstler von alles andere als „provinziellem“ Format beteiligt, so Jan-Peter E.R. Sonntag, Eckart Beinke, Friedemann Schmidt-Mechau oder der chilenische Komponist Gustavo Becerra-Schmidt – während neben Konzerten der Oldenburger Vereinsmitglieder mit zahlreichen Einladungen von Gastkünstlern und regionalen wie überregionalen Kooperationen von Anfang an der Horizont der Vereinsarbeit weit über Oldenburg hinausging.

So waren in den 90er-Jahren in der Konzertreihe „aus der reihe“ etwa der Posaunist Uwe Dierksen, der Flötist Robert Aitken oder die Pianisten Hermann Kretzschmar und Michael Wendeberg zu Gast. Kooperationen verbanden und verbinden oh ton mit Veranstaltern und Hochschulen im gesamten Norddeutschland, in Groningen und Strasbourg, mit dem Ensemble Proxima Centauri aus Bordeaux, mit Radio Bremen, dem Deutschlandfunk und dem NDR. Und hinzu kommt die Arbeit mit und in Schulen oder auch ein Projekt wie „Neuland“, in dem es um die Entwicklung eines genuin zeitgenössischen Repertoires für Laienchöre geht.

Im Jahr 1994 wurde dann das oh- ton-ensemble restrukturiert, um unabhängig von den personellen Ressourcen des Vereins über ein flexibles Spezialensemble für Neue Musik zu verfügen. Dieses neue Ensemble, das heute mit einer Gruppe von überregional ansässigen, hochklassigen Interpreten in wechselnden Konstellationen jährlich zirka sechs Konzertprojekte realisiert, hat verschiedene Phasen durchlebt. In den Anfangsjahren waren dies Auftritte als Kammerorchester mit bis zu zwanzig Musikern, Ende der 90er-Jahre musste das Ensemble aus Kostengründen reduziert werden. Dabei lag der Fokus auf Besetzungen und somit auch einem Repertoire abseits des erweiterten Pierrot-Lunaire-Ensembles. Stattdessen sind etwa Gitarre oder E-Gitarre, Harfe, Blockflöte, Saxophon und Akkordeon Teil der Kernbesetzung des Ensembles – und damit eines genuin eigenen Ensembleklangs.

Auch in der Auswahl der Programme beschritt das oh ton-ensemble unter seinem künstlerischen Leiter Eckart Beinke eigene Wege: „Wir haben auch Wolfgang Rihm gespielt. Aber letztlich braucht der nicht unsere Förderung. Wir haben lieber Projekte gemacht, die entweder inhaltlich neuer sind oder wo jemand bekannte Sachen ganz anders verhandelt. Aber wir haben uns immer geweigert, ästhetische Schulen auszuschließen.“ Und so finden sich Namen wie Klaus Huber, Hans-Joachim Hespos, Volker Heyn, Helmut Oehring und Younghi Pagh-Paan neben denen von Brigitta Muntendorf, Maximilian Marcoll oder Alexander Schubert auf den Programmen des oh ton-ensemble.

Finanziert wurde die Vereinsarbeit über die Jahre hinweg kontinuierlich, doch zugleich immer nur projektbezogen von der Stadt Oldenburg und dem Land Niedersachsen, ergänzt um Stiftungsmittel. Erst ab 2008 ergab sich durch das Förderprojekt „Netzwerk Neue Musik“ die Möglichkeit einer längerfristigen finanziellen Förderung: Zusammen mit elf Partnern aus Oldenburg und Bremen wurde sich erfolgreich mit dem Netzwerk klangpol für die vierjährige Förderung beworben. Und auch nach Auslaufen des Förderprojekts gelang es gemeinsam, das Netzwerk in fast unveränderter Konstellation weiterzuführen und unter anderem eine weitere vierjährige Förderzusage des Landes Niedersachsen für die Jahre 2012 bis 2015 zu erhalten.

Daneben gelang es dank „klangpol“, den künstlerischen Austausch innerhalb der Region zu intensivieren und etwa mit Aktionen wie der 2013 durchgeführten „Langen Nacht der Musik“ enorme öffentliche Wahrnehmung zu erreichen – für den 14. Juni 2014 ist die Folgeveranstaltung geplant. Oder auch – nach Konzerten zwischen 2009 und 2011 – ab der kommenden Spielzeit in der Exerzierhalle, der kleinen Spielstätte des Netzwerkpartners Oldenburgisches Staatstheater, eine monatliche Reihe mit Neuer Musik zu etablieren, maßgeblich mitgestaltet durch oh ton und das oh ton-ensemble.

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