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Weus‘d* an Schlag hast wia a Kalkwerk

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Ferchows Fenstersturz 2013/10
Publikationsdatum
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Dieses Weichei-Land widert mich an. Jeder Furz ein Drama. Beispiel: „Folterskandal! ALDI-Azubis mit Frischhaltefolie an Lagersäule gefesselt.“ Mein Gott, dann müssen sie eben aufpassen, wo und wie sie ihre Paletten parken, die Saufratzen. Früher waren Watschen Teil der Lehre. Wo waren denn damals die Folterrechtler? Und wo sind sie heute, wenn es wirklich brennt? Zum Beispiel in Kollnburg, Niederbayern. Ein ganzer Ort wird da von Bürgermeisterin Josefa Schmid (FDP) tyrannisiert. Und zwar derart gemein, dass man sich Assad als neue Familienministerin wünscht. Frau Schmid singt nämlich. Und das ist kein Spaß. Getreu dem FDP-Motto „Selbstreflexion – aber nicht mit uns“, gurgelt die niederbayerische Folterknechtin den Zehen-Einschlafsong „Weus‘d a Herz hast wia a Bergwerk“ von Rainhard Fendrich auf YouTube.

Wer den Würgereiz noch im Griff hat, dem sei nun der Anblick des Videos empfohlen. In plastinierter Ergriffenheit und vom indigenen Bärwurz verursachten Strabismus schunkelt Josefa Schmid durch das bayerische Paradies. Gefangen im abscheulichsten aller jemals gesehenen Dirndl, das allenfalls die Finger-Synapsen des Kollegen Brüderle in Wallung versetzt. Unverlangt gibt es eine guillotinierende Gesichtsmimik dazu, die ein Playback suggeriert, bei akkurater Analyse dann aber doch die Ausfahrt Richtung „unkontrolliertes Lallen nach einem bärigen Jungesellinnenabend mit Blutwurz-Exzess im hintersten Bayerischen Wald“ nimmt.

Als Zugabe baumelt über dem brüderleschen Breitengrad eine Halskette, mit der die Wikinger früher feindliche Schiffe kaperten. Aber vor lauter käsiger Heimatliebe hat der singende Waldschrat leider vergessen, seine fettige Heimathymne beim Urheber des Bösen, Rainhard Fendrich, musikrechtlich anzumelden. Warum auch? Parteikollegin Leutheusser-Schnarrenberger hat doch ein einfacheres Urheberrecht versprochen. Die Konsequenzen für den leiernden Luchs folgten gänzlich un­idyllisch.

Fendrich drohte mit Klage. Die Kollburger Bürger reagierten mit einer architektonischen Flurbereinigung, begleitet vom Aushub tausender Erdlöcher, in die sie sich aus Scham eingruben und versagten der regierenden Terroristin per Kreuzweg den trällernden Einzug in den Landtag. Und bald meldet sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Dort muss die flötende Natter erklären, wie die textlichen Assoziationen bezüglich der Heimat gemeint sind: „Weus‘d den Grund warums‘d bei mir bist nimma wast (Weil du den Grund, warum du bei mir bist, nicht mehr weißt).“

Auch politischer Alzheimer ist ein Thema. Inhaftierung kann eine Lösung sein, Herr Bundeswahlleiter. Nun, ein lachendes Auge hat das Ganze. Die gebeutelte Glasindustrie der Region erlebt einen Boom, hat die hupende Eule doch mit ihren Glas zersägenden Geräuschen sämtliche dreifach verglasten Fenster und Photovoltaikanlagen in der Gegend geschrottet. Wenn das Heimat ist, wie sieht dann erst die Fremde aus?

*Österreichisch für „weil“

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