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Herausforderung Hybrid-Semester

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Stellungnahme der Rektorenkonferenz der Musikhochschulen
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Nach Redaktionsschluss des Hochschulmagazins (nmz 7-8/2020), veröffentlichte die Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen (RKM) eine Pressemitteilung, die wir hier gekürzt wiedergeben:

Musikhochschulen sind Live-Musik-Orte, an denen geübt wird, Einzel- und Ensemble-Unterricht erteilt wird und das Erarbeitete auf die Bühne gebracht wird. Ohne Üben, ohne Präsenzlehre im direkten Austausch mit den Lehrenden, ohne das gemeinsame Musizieren im (Vokal-)Ensemble ist die Weiterentwicklung des Könnens unmöglich und die Exzellenz eines künstlerischen Studiums als Beginn einer künstlerischen Karriere nicht erreichbar. Somit stand in den Musikhochschulen gleich in den ersten Tagen des Lockdown die Herausforderung vor Augen, dass ein „Hybrid-Semester“ ‚erfunden‘ werden musste. Die 24 Musikhochschulen in Deutschland sind diesen Weg zum „Hybrid-Semester“ auf beeindruckende Weise gegangen: In einem Kraftakt haben sie auf der Grundlage vielfältiger Forschungen über die Virenübertragung durch Aerosole beim Singen und Spielen der verschiedenen Instrumente und im Rahmen der jeweiligen Länderverordnungen Kombinationen von digitaler Lehre und Präsenzlehre entwickelt, mit denen die Ausbildungsqualität an den deutschen Musikhochschulen gesichert ist. […]

Das ändert jedoch nichts an der durch die digitalen Erfahrungen umso klareren Einsicht: Künstlerischer Einzel- und Ensembleunterricht kann durch digitale Formate ergänzt, nicht aber ersetzt werden. Auf diese besondere Situation der Kunst- und Musikhochschulen, die „auf praktische Lehrformate angewiesen sind, die in vollem Umfang nur im Präsenzunterricht möglich sind“, hat HRK-Präsident Prof. Dr. Peter An­dré Alt bereits am 22. Mai 2020 hingewiesen und dringend an Bund und Länder appelliert, „bei allen künftigen Beschlüssen die besonderen Bedürfnisse der Kunst und Musikhochschulen gezielt zu berücksichtigen.“

Im Rückblick auf das Sommersemes­ter 2020 und im Vorausblick auf das Wintersemester 2020/21 bekräftigt die RKM diesen dringenden Appell, da an den Musikhochschulen eine ganze Reihe von Herausforderungen bestehen bleiben, die sie nicht aus eigener Kraft lösen können:

  • Als Hochschulen, in denen Präsenzlehre zentral ist, standen Musikhochschulen digital nicht in den Startlöchern, müssen nun ihre Infrastruktur erheblich nachrüsten. Dazu bedarf es technischer Ausstattung und geeigneten EDV-Personals, was für kleine Hochschulen finanziell eine extreme Hürde ist und, was die Stellenbesetzungen angeht, in der Konkurrenz am Arbeitsmarkt oft nicht oder nur sehr zeitverzögert realisierbar ist.
  • Als Hochschulen, in denen es im Digitalen vor allem um eine gute Klangqualität geht, fallen an den Musikhochschulen für eine technisch ihren Aufgaben adäquate Ausstattung (Mikrophonie und Klangübertragung) deutlich höhere Kosten an – auch für die Studierenden, die keineswegs alle qualitativ ausreichende Endgeräte besitzen und qualitätvolle Endgeräte gerade jetzt, bei wegfallenden Konzerten und anderen Jobs, nicht kaufen können.
  • Als Hochschulen, in denen Präsenzlehre auch für die Bereiche von Chor und Orchester zentral ist, benötigen Musikhochschulen im Kontext des Abstandsgebots zusätzliche, sehr große Räumlichkeiten: In Konzert- und Opernhäusern werden derzeit Konzepte für reduzierte Besetzungen entwickelt: Das geht an Musikhochschulen nicht in gleicher Weise: Das Spiel im Orchester ist an den Musikhochschulen eine Studienleistung, für die es ausreichende Angebote geben muss. Hier müssen Lösungen gefunden werden. Diese Lösungen sind kos­tenintensiv. […]

https://die-deutschen-musikhochschulen.de

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