Wenn im Opernhaus Halle der Schauspielintendant Matthias Brenner die Einführung übernimmt und nach dem Schlussapplaus den Dank enthusiasmiert auf den Punkt bringt, dann deutet das auf die Fortsetzung einer Erfolgsserie an diesem Haus: eine Gemeinschaftsproduktion von Oper und Schauspiel inklusive singendem und tanzendem Nachwuchs. Das ist schon ein paar mal ziemlich gut gegangen. Mit der „Dreigroschenoper“ etwa oder mit „Cabaret“.
Auch diesmal können die Bühnen Halle, die sonst das Gemeinsame ihrer Sparten eher deklarieren als praktizieren, einen vollen Erfolg verbuchen. Einmal, weil sie das Ganze unter Pandemiebedingungen mit dem diversen Dazwischengrätschen des Virus ins Personaltableau überhaupt zustande gebracht haben! Wen interessiert da am Ende noch, für wann die Produktion eigentlich geplant war – hier sind wir alle längst in der neuen Flexibilität angekommen.
Und dann, weil sie es einfach gut gemacht haben: mit genau dem richtigen Tempo, erstaunlich gut singenden, und natürlich sprechenden Schauspielern. Dazu hat man die musicallike singende und fabelhaft sprechende Dominique Aref als Fee aus dem See gebucht. Der Staatskapelle merkte man an, dass auch im Graben der Spaß daran vorherrschte, dem Pultgast Yonatan Cohen bei seinem parodierenden Parforceritt durch Wald und Auen im Musicalland zu folgen.
Das Ganze zündete immer an beiden Ende gleichzeitig – beim pointiert rausgehauenen Wort und der eingängig abwechslungsreichen Musik. Dass der Monty Python – Arthus bei der Suche nach dem Heiligen Gral auch noch nach dem Musical für Deutschland sucht, ist schon deshalb nötig, weil er ja irgendwie durch die zwei Stunden trappeln muss. Hoch zu (eingebildeten) Ross und seiner Hilfskraft Patsy (Till Schmidt) hinterdrein, die mit den Kokosnuss-Schalen brav das Pferdegetrappel imitiert. Der König und seine Ritter finden natürlich beides. Den Gral unter dem Sitz des Zuschauers in Reihe 1 Platz 1. Und das Musical, denn sie sind ja mittendrin. Das ist halt der Lohn der Mühe, sich aufs schwere Leichte einzulassen.
Dabei haben Regisseur Peter Dehler und sein Team (Birgit Voß mit der Bühne, Ulrike Egelbrecht mit den Kostümen und Till Nau mit der Choreografie) ebenso sicheren Instinkt für den abgründigen englischen Humor bewiesen, wie die Gesangschoaches das Einfühlungsvermögen, um den Schauspielern, die in ihnen schlummernden Gesangstalente dienstbar zu machen. Dass der seit 40 Jahren in Halle engagierte Peter W. Bachmann auch eine abgründig komische Seite hat, ist nichts Neues. Aber, dass er als Arthus mit seiner originell metallischen Stimme auch so sicher singen kann, damit überraschte er dann doch. Seine zusammengestoppelte Tafelrunden-Truppe eiferte ihm dicht auf den Fersen nach. Ob Matthias Walter als Sir Robin, Tristan Becker als Sir Lancelot, Marian Kindermann als Sir Galahad oder Eric Born als Sir Bedevere – sie alle geben ihrem singenden Komödiantenaffen Zucker. Alexander Pensel touchiert als Noch nicht Tod Fred und vor allem als Historiker, der das Ganze einordnet, auch schon mal gekonnt die Zappligkeit von Otto. Als kleines Schmankerl hüpft dann auch noch Franziska Winkler als Sir nicht-aus-diesem-Stück und tanzende Nonne über die Szene. Die Jugendensembles des Opernhauses komplettieren, was an Chor und Ballett für diese Exkursion nach Grotesk-Britannien noch nötig war.
Es ist ein Triumph des entfesselten Bühnenblödsinns, der Freude macht. Ob nun der völlig stückfremde und sinnfreie finnische Fischtanz, oder dann die Belagerung der Franzosen samt Trojanischem Hasen, bei dem die wackeren Briten zu spät merken, dass sie vergessen hatten, in das Monstrum hineinzuklettern. Oder die Begegnung mit dem total unterschätzten Killerkaninchen. Und dann sieht man sogar mal die Füße des (ganz großen) Herrn bei der Vergabe des Suchauftrages an Arthur und seinen wortwörtlichen Fingerzeig dorthin, wo der Gral zu finden ist.
Was 1975 als Film zum Erfolg wurde, hat es knapp dreißig Jahre später als Adaption von Eric Idol an den Broadway und von da ins Repertoire auch kleiner und mittlerer Bühnen mühelos geschafft. Dass an der Oper in Halle gerade der Engländer Walter Sutcliffe das Sagen hat, war für den Sprung auf die Bühne sicher kein Hindernis. Er erkannte – so meinte er am Ende – den englischen Humor jedenfalls wieder. Die Musik von John Du Prez zündet auch deshalb, weil sie das Genre fantasiereich parodiert, ohne es zu beschädigen. Sie stellt es nicht bloß, spielt dafür aber mit den eigenen Klischees. Da passt es, dass niemand am Kreuz hängt aber trotzdem das „Always Look On the Bride Side of Life“ erklingt und wir wissen, dass das aus „Das Leben des Brian“ geklaut ist. Und alle singen (mehr oder weniger still) mit.