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Martin Lenz, Rosemarie Tüpker: Wege zur musiktherapeutischen Improvisation, in: Materialien zur Musiktherapie; 4. Lit, München1998.Werner Kraus (Hrsg.): Die Heilkraft der Musik. Einführung in die Musiktherapie. Beck, München 1998.
Michael Reimann: Entdecke die Musik in dir. Kösel, München 1998.
Die Psychotherapie hat sich in den letzten Jahren so weit entwickelt, daß fast nur noch Fachleute den Überblick behalten können. Unter der Vielzahl der psychotherapeutischen Möglichkeiten nimmt die Musiktherapie einen wichtigen Platz ein. Sie wird eingesetzt in der Psychiatrie, der Psychosomatik, der Psychotherapie sowie beispielsweise in den verschiedenen Arten der Heilpädagogik. Einen wichtigen Ansatz für Studierende im Bereich Musiktherapie zeigt „Wege zur musiktherapeutischen Improvisation“ von Martin Lenz und Rosemarie Tüpker. Zwei Bücher in einem – im Umfang sehr unterschiedlich, bieten Hintergrundwissen sowie Anregungen zur Improvisation. Obwohl die Autoren von zwei verschiedenen Ansätzen ausgehen (von der Musiktherapie als Sozialtherapie sowie als Psychotherapie), zeigen sie doch zwei Seiten derselben Medaille. Zwar richtet sich das Buch ausdrücklich an Studierende und Lehrende, doch auch Nichtfachleute können das Buch mit Gewinn lesen. Viele Erfahrungen aus der Praxis machen dieses Buch zu einem Muß für jeden Musiktherapeuten. Der Leser erhält jeweils eine anschauliche Einführung in die speziellen Aspekte der Musiktherapie, insbesondere der Vielfältigkeit der Improvisation. Improvisieren zu können, auf den Patienten eingehen und reagieren zu können, ist für Musiktherapeuten grundlegend. Dabei zeigt sich, daß Musiktherapie sowohl Sozialtherapie als auch Psychotherapie, je nach Ausrichtung, beinhaltet. Dieses Buch leistet für das Verständnis und die Ausübung einer „gelernten Improvisation“ einen grundlegenden Beitrag.
Für eine generelle Einführung in die Musiktherapie sei „Die Heilkraft der Musik“ von Werner Kraus empfohlen. In dem Buch, das sich aus verschiedenen Beiträgen unterschiedlicher Dozenten zusammensetzt, wird die Arbeit von Musiktherapeuten beschrieben, daneben reichern viele Fallbeispiele die Einführung an, ein kurzer Exkurs zur „Musik im Alltag“ beschließt den Band. Wichtig und wertvoll sind auch noch die Adressen für Aus- und Weiterbildung. Die Beiträge sind zwar qualitativ unterschiedlich, Überschneidungen bleiben da nicht aus, dennoch empfiehlt sich das Buch für eine Einführung allein deshalb, weil viele Beispiele einen weitgehenden Einblick in den Alltag von Musiktherapeuten geben.
Letztlich sei noch auf ein Werk verwiesen, daß in esoterisch-psychotherapeutischer Hinsicht das „Vergnügen verspricht, die eigene Musikalität zu entwickeln“: Michael Reimanns „Entdecke die Musik in dir“ mit dazugehöriger CD. Im Grunde handelt es sich um einen Aufguß von Dale Carnegie, nur in musikalischer Hinsicht: Sorge dich nicht, probiere aus. Reimann, studierter Dirigent und Multi-Instrumentalist, betätigt sich hier als quasi wissenschaftlicher Wegbegleiter zur eigenen Musikalität. In verschiedenen Beiträgen, die aber irgendwie immer auf das Ziel hinweisen „du bist musikalisch – du mußt es nur glauben“ und somit zusammenhängen, wird ein kleiner Trommelworkshop veranstaltet, das Obertonsingen gelehrt, am Klavier ’rumimprovisiert, meditiert sowie allerlei Ratschläge für das eigene Musizieren angeboten. Wohlgemerkt, die Idee, die eigene Musikalität zu fördern, ist eindeutig positiv. Nur, Reimann, ein Musiker, der neue, unkonventionelle und vor allem nichtakademische und nichtintellektuelle Wege geht, versucht dies in einem Konglomerat von Wissenschaft, Psychotherapie und Esoterik, das eher verwirrt und offene Fragen hinterläßt. Er kann mit seinem Buch begeistern, als Konsumlektüre. Wer eine Systematik sucht, die nicht alles nur dem hehren Ziel der eigenen Musikalitätsfindung opfert, ist fehl am Platz.