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5 Flötist:innen in schwarzen Oberteilen und Hosen bzw. roten Kleidern unter den Oberteilen bei einem Konzert auf einer kleineren Bühne vor einem weißen Vorhang.

Von links: Ekaterina Volkmer (Altflöte), Alice Guinet (Bassflöte), Jörg-Oliver Werner (Flöte), Tillmann Ens (Flöte, Piccolo u. Moderation), Raphaelle Zaneboni (Flöte und Arrangements). Foto: Walther Prokop

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„Die Welt ein bisschen zurechtgerückt“

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Ein „Wintermärchen“ mit fünf Flöten und vollem Haus
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Bereits eine halbe Stunde vor Beginn der Matinee im Künstlerhof am Rosenheimer Ludwigsplatz war der Hans-Fischer-Saal fast gänzlich gefüllt. Jemand meinte, da müsse der Tonkünstlerverband bald in die Inntalhalle ausweichen.

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Soweit möge es beileibe nicht kommen. Denn der intimere Rahmen sorgt für eine optimale Stimmung: Kammermusik soll das Publikum hautnah erreichen! 

Das Ensemble „Ladon“ – fünf Flötistinnen und Flötisten – erzählte mit glitzernden Tönen und orchestral fülligen Klängen vom Winter, dessen märchenhafter Zauber von sieben sehr unterschiedlichen Komponisten eingefangen wurde. Mit Antonio Vivaldis unvergänglichem Concerto „L’inverno“ (der Winter) ging es gleich in die Vollen. Den Glanz, den Charme und die farbige Bandbreite der Originale aller Musikstücke brachte Raphaelle Zaneboni (Flöte) als Arrangeurin ohne Defizite über die Rampe. Ihr sekundierten Ekaterina Volkmer (Altflöte) und die in der Region bestens bekannte Alice Guinet (Bassflöte), sowie die Herren Jörg-Oliver Werner (Flöte) und Tillmann Ens (Flöte und Piccolo). Letzterer übernahm auch mit sympathischer Stimme die pointierte Moderation.

Knapp und sehr abwechslungsreich folgten die weiteren Programmpunkte:  Zunächst kamen zwei entzückende Sätze aus Maurice Ravels für Kinder geschriebenen Suite „Geschichten von der Mutter Gans“. Peter I. Tschaikowsky steuerte vier Tänze aus der „Nussknacker-Suite“ bei. Einmal furios und effektvoll („Trepak“ und Chinesischer Tanz), das andermal melancholisch, ja, nach den Worten des Moderators „verführerisch“ der Arabische Tanz. Oft gehört, aber in diesem Arrangement taufrisch und auf Hochglanz poliert. 

Dass Mozart die Flöte gehasst haben soll, hat er selbst durch seine lustvoll inspirierten Flötenkompositionen widerlegt. Auf jeden Fall hat das Ensemble Ladon das „Allegro“ aus KV 285 so herzhaft musikantisch sprudeln lassen, mit äußerster Präzision und doch mit Herzblut und sichtlicher Freude. In Henry Purcells „Cold Genius“ ließ Ekaterina Volkmer mit der Altflöte eine sehr emotional berührende Kantilene aufblühen.
Der aus dem Elsass stammende „Walzerfabrikant“ (O-Ton Emile Zola) Emile Waldteufel riss mit seinem zum Hit gewordenen „Schlittschuhläufer-Walzer“ die Zuhörer zu heftigem Beifall hin. Dem auf seine Art genialen Waldteufel fielen zündende Melodien ein und er machte im Kreis der großen Komponisten durchaus „bella figura“!

Ende gut, alles gut: Johann Sebastian Bachs „Allegro“ aus dem 3. Brandenburgischen Konzert klang in diesem Arrangement quasi aufgehellt, in leuch­tenden Farben quirlig und aufregend. Tillmann Ens verwies darauf, dass Arrangieren lange Zeit eine pragmatische Realität bedeutete, also Stücke für das vorhandene Instrumentarium einzurichten oder zurechtzurücken. Und so habe man auch hier und jetzt „die Welt ein bisschen zurechtgerückt“.

Ohne Zweifel, so lässt sich’s leben!

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