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Back to youth – zu den Wurzeln zurückfinden

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Die Generalversammlung der Jeunesses Musicales International in Antwerpen
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Zurück zu den Ursprüngen – das war die explizite Devise der 62. Generalversammlung der Jeunesses Musicales International (JMI), die vom 7. bis 12. August in Antwerpen stattfand. Zurück zu den Ursprüngen, die 1945 hier in Belgien ihren Anfang nahmen – genauer gesagt in Brüssel, wo schon während der deutschen Besatzungszeit Konzerte mit und für junge Leute initiiert wurden, nicht zuletzt auch als eine Form des passiven Widerstands, ließ sich doch so das strikte Versammlungsverbot auf konstruktive Weise umgehen.

Erinnerungen an diese Anfänge weckte am historischen Ort, dem Palais des Beaux Arts, ein Mann der ersten Stunde in Schilderungen, die die damalige Begeisterung lebendig werden ließen – beeindruckender Höhepunkt des Programms der JM-Sektion des wallonischen Belgiens. Eingeladen hatte freilich die flämische Sektion – weswegen (und aus passivem Widerstand gegen die Brüsseler Hotelpreise) die Versammlung sich auch in Flanderns heimlicher Hauptstadt Antwerpen traf. In dem zu einem angenehmen Tagungshaus verwandelten Kloster Elzenveld versammelten sich die diesmal über 80 Delegierten aus rund 30 JM-Sektionen von Kanada bis Korea, von Kenya bis Norwegen, und ließen das weltumspannende Netzwerk wieder für eine knappe Woche in der persönlichen Begegnung und dem gemeinsamen Arbeiten persönlich erlebbar werden.

Zurück zu den Ursprüngen, das wollten die belgischen Freunde denn auch inhaltlich interpretiert wissen und gaben der Veranstaltung das Motto „Back to Youth“. Das Team um Generalsekretär Herman Marien hatte ein mehrtägiges Jugendmusikfestival „dzJeM“ mit zahlreichen und vielgestaltigen Musikbeiträgen aus dem populären Spektrum organisiert, das in Antwerpen auf große Aufmerksamkeit stieß. Teil davon war ein „Imagine Festival“, zu dem auch die JMD ein ganz besonderes Ensemble präsentierte: Drei junge Talente aus der Kompositionsklasse von Philipp Vandré an der Stuttgarter Musikschule, von denen einer auch Preisträger beim diesjährigen Bundeswettbewerb Komposition der JMD ist, stellten eigene Kompositionen vor und repräsentierten damit diesen speziellen Aktivitätenschwerpunkt der JMD ausgesprochen selbstbewusst und mit großer Resonanz (siehe Foto). Im Tagungsprogramm integriert war zudem ein spezielles Jugendforum „yip“ (young internationals platform), und zahlreiche Sektionen waren der Einladung gefolgt, junge Delegierte mitzubringen. Die JMD vertrat Tobias Schröter, derzeit auch Hospitant im Bundesvorstand, der sich als Kommunikationsexperte in die Workshops und als Sprecher in die Ergebnissicherung und Präsentation einbrachte (Foto). Sie forderten ein permanentes Jugendkomitee und themenbezogene Workshops und Fortbildungen für junge Delegierte sowie eine interne JMI-weite Informations- und Wissensbasis im Internet.

Damit trugen die Jungdelegierten massiv zu einer der auch in der „großen“ JM-Politik sich abzeichnenden Strategiewende bei, die insbesondere von dem deutschen Präsidiumsmitglied Hans-Herwig Geyer seit Jahren angemahnt wird: Dass sich nämlich die Brüsseler JMI-Zentrale mehr und mehr auf originäre Funktionen einer vernetzenden Dachorganisation konzentriert und die Kooperation der einzelnen JM-Sektionen untereinander fördern soll. Schon in der Eröffnungsrede des neuen JMI-Präsidenten Blasko Smilevski, die geprägt war von dem Appell zur Zusammenarbeit und Kommunikation, war dies zu spüren: „Getting better all the time“, ist die motivierende Tendenz.

Nicht nur der Blick zurück, sondern auch der Blick nach vorn also prägte diese denkwürdige Generalversammlung. Durch die Verkündung, dass die JMI ab 2008 einen neuen Generalsekretär bekommen soll, könnten zahlreiche Veränderungsprozesse in diese Richtung in Gang kommen. Daher ist die Mitwirkung Geyers in der Berufungskommission und die Wiederwahl des JMD-Generalsekretärs Uli Wüster in die Legal Commission der JMI eine weitere Bestätigung der deutschen Position innerhalb des Weltverbandes.

Dass die JMD in Richtung der neuen Ziele entschlossen vorangeht, machte auch die mit Applaus aufgenommene Powerpoint-Präsentation der internationalen und bi-lateralen Arbeit deutlich, mit denen die JMD Schloss Weikersheim als World Meeting Center der JMI exponiert. Der gerade beendete Internationale Opernkurs ist dabei sicher eines der Highlights, die Absicht, ein internationales Jugendorchester-Network zu etablieren, ein ambitioniertes Zukunftsziel. Aktuell zeigt sich die multinationale Offenheit in Weikersheim darin, dass die Vertreterin Kenyas im Rahmen des staff exchange programs für circa vier Wochen in Projekten der JMD mitwirken wird. Kenya wurde übrigens neben der Dominikanischen Republik, deren Vertreter kurz zuvor in Weikersheim unter den Operngästen waren, als neue nationale Sektionen in den Weltverband der Jeunesses Musicales aufgenommen. Anfang 2009 wird Weikersheim ein Executives’ Meeting der JMI beherbergen, für 2012 ist die Ausrichtung der Generalversammlung beschlossene Sache. Bis dahin könnte vielleicht die neue Konzerthalle in Weikersheim stehen – mal sehen.

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