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Griff in die Trickkiste

Untertitel
B-Kurs Jazz- und Popchorleitung an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel
Publikationsdatum
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Wer sich in Deutschland mit Chormusik aus den Stilen Jazz und Pop beschäftigt, kommt an Wolfenbüttel schon lange nicht mehr vorbei. Namen wie Anne Kohler, Martin Carbow oder Oliver Gies, dazu Sasha Cohn und Dimitris Liatsos – sie und viele weitere hat Markus Lüdke von der Bundesakademie Wolfenbüttel für eine Zusammenarbeit gewinnen können. Nicht einzeln, sondern im Paket: für den berufsbegleitenden Lehrgang Jazz- und Popchorleitung Stufe B.

Bereits zu Beginn der sechs auf zwei Jahre verteilten Seminarphasen wurde klar, dass Motivation und Voraussetzungen der einzelnen Kursteilnehmer durchaus unterschiedlich waren. Manche suchten neue Impulse für ihre Arbeit, andere sahen im Seminar die Möglichkeit, sich intensiver mit ihrem Hobby auseinander zu setzen, wieder andere sahen das Angebot der Bundesakademie als Chance, neue Stile für sich zu erschließen.

Das Dozententeam verstand es von Anfang an, eine entspannte, aber arbeitsintensive Atmosphäre zu schaffen. Trotzdem sollte sich jeder individuell entfalten dürfen, niemandem wurde eine Meinung „aufgedrückt“. Auf dem akribisch ausgearbeiteten Stundenplan, den man uns direkt zu Beginn der ersten Phase in die Hand drückte, reihte sich ein Fach an das andere, oft blieb nur kurz Zeit, zwischen den Unterrichtsräumen im Wolfenbütteler Schloss zu wechseln. Kleingruppen ermöglichten ein effektives Arbeiten. So blieb nicht nur Zeit, die als Hausaufgabe entwickelten Chor-Arrangements zu besprechen, auch beim „chorpraktischen Klavierspiel“ waren die Gruppen so zusammengestellt, dass niemand über- oder unterfordert wurde.

Weitere Fächer, die im Lauf der zwei Jahre vertieft und von den Dozenten auch an die Wünsche der Gruppe angepasst wurden, waren unter anderem Gehörbildung, Rhythmus, Improvisation (einzeln und in der Gruppe) sowie stilsicheres Dirigat. Hier brachten sich auch zahlreiche Gastdozenten ein, die für eine oder mehrere Phasen eingeladen wurden, um neue Impulse für uns Teilnehmer zu schaffen. Hierzu gehörten Malene Rigtrup (Arrangeurin u.a. von „VocalLine“), Joachim Rust (als Dozent für Vocal Percussion) und Stephan Görg (Begründer des Kölner Hochschulchors „Vocal Journey“). Lindsay Lewis war als Referentin für die „Complete Vocal Technique“ bei uns, um uns zusammen mit Martin Carbow in diese Gesangstechnik einzuführen. Neben der Vermittlung der theoretischen Grundlagen blieb jedem Einzelnen Zeit, das Gelernte praktisch im Einzelunterricht bei den Gesangsdozenten auszuprobieren und anzuwenden. Einer der Höhepunkte des Lehrgangs war sicher das Werkstatt-Konzert der dritten Phase.

Allein schon die Vielzahl der Themen legt nahe: Was in der Ausschreibung vielleicht noch wie ein nettes Angebot klingt, das man quasi im Vorbeigehen mitnehmen kann, hat es faustdick hinter den Ohren! Und zwar nicht nur während der Phasen, sondern auch in der Zwischenzeit, die man mit rauchendem Kopf über den umfangreichen Hausaufgaben verbringt, um die letzte Phase nach- bzw. die folgende vorzubereiten. Da wird der Rhythmusbaukasten geleert und neu zusammengesetzt, ein Einsingen vorbereitet, nebenher das stilsichere Klavierspiel geübt, ein Body-Percussion-Pattern entworfen oder die Modes von CVT anhand eines Quiz‘ (genial von unseren Dozenten zusammengestellt) vertieft, während man ein Teilstück eines Chorarrangements auf Herz und Nieren analysiert, um es in- und auswendig zu beherrschen und in der folgenden Phase mit „seinem“ Teilnehmer-Chor einzustudieren. Natürlich bereits mit einem Probenplan und einer Handvoll stimmbildnerischer und chorpraktischer Lösungen im Gepäck, um die schärfsten Klippen des Sängerlebens weitsichtig zu umschiffen.

Und das war dann auch Dreh-, Angel- und (nicht nur für mich jedes Mal der adrenalingeladene) Höhepunkt einer jeden Phase: die „exemplarische Probenarbeit“, in der wir mit unserer Gruppe dieses vorgegebene Teilstück einstudieren sollten. Im Idealfall unter Berücksichtigung aller bereits im Kurs gewonnenen Erkenntnisse und unter der scharfen Beobachtung der Dozenten, die direkt im Anschluss ein hilfreiches und produktives Feedback gaben, während der Rest der Gruppe seine Anmerkungen auf einem Zettel notierte und an den jeweiligen Teilnehmer weitergab.

Auf diese Weise bekam man eine sehr ehrliche und umfassende Rückmeldung zur eigenen Arbeit und konnte tatsächlich spüren, wie sich die Qualität der Probenarbeit im Lauf der zwei Jahre immer weiter entwickelte.

Es bleibt abschließend die Frage, was von dem Gelernten man in den Alltag mitnehmen kann. Natürlich ist es in erster Linie Sache des Chorleiters, die Inhalte der Fortbildung so umzusetzen, dass sie dem eigenen Chor gerecht werden. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass fast alle Chöre dankbar für neue Impulse und offen gegenüber neuen Ideen sind. Plötzlich wundert man sich, wie schnell der richtige Groove entsteht, fragt sich, weshalb Intonation so oft ein leidiges Thema war oder ist erstaunt über die bislang nicht zum Vorschein gekommene Kreativität seiner Sängerinnen und Sänger. Alles Dinge, die nicht nur dem Chorleitenden positiv im Gedächtnis bleiben.
Und für alle Chorleiterinnen und Chorleiter, deren Chöre dann nach mehr verlangen: einfach ein wenig tiefer in die Wolfenbütteler Trickkiste – es ist genug für alle da!

Informationen zum neuen Lehrgang Jazz- und Popchorleitung der Stufe B
Termine: 28.8.–1.9.2013 (1. Phase), 2014 (2.–4. Phase), 2015 (5. und 6. Phase)
Leitung: Claudia Burghard, Sascha Cohn,
Christoph Gerl, Dimitris Liatsos, Franziska Rapke, Joachim Rust sowie weitere Gastdozenten und -referenten;
Kostenanteil: ca. 430,– € pro Phase
(inklusive Ü/VP);
Anmeldeschluss für Phase 1: 12.07.2013

Der Lehrgang wird in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände (ADC) durchgeführt.
Kontakt & Beratung:
Bundesakademie für Kulturelle Bildung Wolfenbüttel
Schlossplatz 13, 38304 Wolfenbüttel
Tel. 05331/808-411, Fax 05331/808-413, post [at] bundesakademie.de (post[at]bundesakademie[dot]de)
www.bundesakademie.de

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