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Johannes Maria Staud neuer Capell-Compositeur in dresden. Foto: Creutziger
Johannes Maria Staud neuer Capell-Compositeur in Dresden. Foto: Creutziger
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Spielzeit 2010/11 - Sächsische Staatskapelle künftig mit Capell-Virtuos und Capell-Compositeur

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Die nächsten beiden Spielzeiten wird die Sächsische Staatskapelle Dresden mal wieder ohne Musikchef überstehen müssen. In der jüngeren Geschichte dieses traditionsreichen Orchesters ist das schon beinahe die Regel geworden. Seit 1989 gab es zwar vier namhafte Dirigenten in Chefposition, aber auch gut sechs Jahre ohne musikalische Leitung. Fabio Luisis vorzeitiger Weggang erhöht diesen Saldo, denn Nachfolger Christian Thielemann tritt erst 2012/13 an.

Die Sächsische Staatskapelle, im September 1548 gegründet, zählt zu den ältesten durchweg bestehenden Orchestern der Welt. Sie ist in der berühmten Semperoper nicht nur das Konzertorchester, sondern musiziert auch in sämtlichen Opern- und Ballettaufführungen. Namhafte Dirigenten – Heinrich Schütz, Nicolaus Adam Strungk, Johann Adolph Hasse, Johann Gottlieb Naumann, Carl Maria von Weber, Richard Wagner sowie Ernst von Schuch – haben hier als Hofkapellmeister gewirkt. Kurt Striegler, Fritz Busch, Karl Böhm, Joseph Keilberth, Rudolf Kempe, Franz Konwitschny, Otmar Suitner, Kurt Sanderling, Herbert Blomstedt, Hans Vonk, Giuseppe Sinopoli, Bernard Haintink sowie bis vor kurzem eben auch Fabio Luisi setzten diese Tradition in der jüngeren Neuzeit fort. Kurz vor der Sommerpause wurden nun die Projekte der kommenden Saison präsentiert, in der die Kapelle wiederum ohne musikalischen Kopf auskommen muss. Angesichts eines zeitgleichen Intendantenwechsels – Gerd Uecker übergibt zum 1. August an Ulrike Hässler – nicht unbedingt die idealsten Ausgangsbedingungen. Dennoch klingt es höchst respektabel, was die Kapelle so vorhat.

Capell-Compositeur & Capell-Virtuos
Bereits eingeführt ist die Position eines Capell-Compositeurs bzw. einer Capell-Compositrice. Dieses bis auf Heinrich Schütz zurückgehende Amt hatten in den vergangenen Jahren Isabel Mundry, Bernhard Lang und Rebecca Saunders inne; in der bevorstehenden Saison wird der Österreicher Johannes Maria Staud mit neuen Werken präsent sein und in den Genuss von Uraufführungen durch die Staatskapelle kommen. Neu ist hingegen die Position Capell-Virtuos. Der Pianist Rudolf Buchbinder wird als solcher in Dresden wirken und einen Beethoven-Sonatenzyklus präsentieren. Zudem interpretiert er unter Paavo Järvi Beethovens 5. Klavierkonzert, unter Daniel Harding das 4. sowie Schumanns a-Moll-Konzert.
Von Staud sind mehrere Uraufführungen zu erwarten, unter anderem ein Stück zu Durs Grünbein mit dem Arbeitstitel „Die Auflösung des Murmelspiels“, in dem es um den Schritt aus der Kindheit in die Erwachsenenwelt gehen soll. Wie in der jüngeren Vergangenheit erprobt, kooperiert die Staatskapelle auch wieder mit der Initiative KlangNetz Dresden, die an der Musikhochschule Carl Maria von Weber eine Projektwoche zum Capell-Compositeur initiiert.
Da dem Orchester sozusagen wieder eine Übergangszeit bevorsteht, wird der ab 2012 als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle wirkende Maestro Christian Thielemann neuerlich einspringen und insgesamt neun Konzerte dirigieren. Neben dem ZDF-Silvester-Konzert werden dies auch Sonderkonzerte zum 200. Geburtstag von Franz Liszt sowie zum 10. Todestag von Giuseppe Sinopoli sein. Das Orchester widmet sich freilich auch anstehenden Komponisten-Jubiläen von Schumann bis  Mahler und unterstützt ein neues Festival, das an Besuche von Dmitri Schostakowitsch in der Sächsischen Schweiz erinnern soll (10.-12.9.2010). Der sowjetische Komponist schrieb vor genau fünfzig Jahren in Gohrisch sein 8. Streichquartett op. 110, das wahrscheinlich einzige außerhalb seiner Heimat erarbeitete Werk. Es soll nun nicht nur in Originalfassung, sondern auch in der von Rudolf Barschai erarbeiteten Fassung für Kammerorchester wieder aufgeführt werden; der Dirigent und Arrangeur gibt hierzu sein längst schon überfälliges Kapell-Debüt.

Gastspiele und spezielle Projekte
Der renommierte Klangkörper wird darüber hinaus mit Dirigenten wie Bertrand de Billy, Simon Gaudenz, Lawrence Renes und Jérémie Rhorer erstmals zusammenarbeiten. Ein lang erwartetes Wiedersehen und -hören gibt es mit dem Pianisten Mauricio Pollini sowie mit der Sopranistin Magdalena Kozená und dem Violinvirtuosen Gidon Kremer. Neben Konzerten in der renommierten Semperoper und in der wiedererrichteten Frauenkirche stehen Gastspiele des Klangkörpers in Ägypten, China und in den USA an, darüber hinaus soll es wieder diverse Stationen in ganz Europa geben.
Die Sächsische Staatskapelle wird im Frühjahr 2011 wieder einmal die Dresdner Musikfestspiele eröffnen und mit dem „AHAB“-Projekt – einer Kooperation mit Klaus Maria Brandauer zu Herman Melvilles „Moby Dick“, komponiert von Libor Síma – als Uraufführung sowohl in Dresden als auch im Festspielhaus Baden-Baden reüssieren.
Gut möglich, dass der Kapelle vorerst ein Chef fehlt, doch die Riege der Gastdirigenten weckt höchsten Respekt. Fortgesetzt und ausgebaut werden Rundfunkmitschnitte – zehn Abende zeichnet MDR Figaro auf und bietet sie europaweit an – und CD-Produktionen wie die Edition Staatskapelle bei Hänssler.
 

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