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Der Schweizer Komponist Klaus Huber (unser Bild rechts) erhält den GEMA-Musikautorenpreis für sein Lebenswerk. Foto: Martin Hufner
Der Schweizer Komponist Klaus Huber (unser Bild rechts) erhält den GEMA-Musikautorenpreis für sein Lebenswerk. Foto: Martin Hufner
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Im eigenen Saft – Autoren ehren Autoren

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Das Gala-Get-Together der GEMA-Autoren im Grand Hotel Ritz
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Zum fünften Mal wurde der Deutsche Musikautorenpreis der GEMA veranstaltet: Autoren ehren Autoren. Nach fünf Jahren weiß man leider immer noch nicht, welche spezielle Funktion dieser Preis hat, außer dass es ihn gibt. Ganz grundsätzlich ist die Idee sehr zu begrüßen, dass ein Preis von denen vergeben wird, die ihn bekommen – hier also Autoren (Komponisten, Textdichter). Grundsätzlich zu begrüßen ist auch, dass dieser Preis in immer wieder neu konfigurierten Kategorien vergeben wird, seien es Hiphop-Texte, experimentelle Musik, Filmmusik oder Jazz. Aber zugleich beginnen damit die Probleme, die die Preisvergabe seit fünf Jahren begleiten.

Die Kategorien sind manchmal eigenartig gewählt. In diesem Jahr zum Beispiel Kunstlied und Sinfonik. Aber sind die nominierten Matthias Pintscher, Enno Poppe und Jörg Widmann wirklich Sinfoniker? Gibt es die Gattung Kunstlied (Laudator Martin Daskes Seufzer: „Ach, das Kunstlied“) eigentlich noch? Das zweite Problem: Für welche Leistung wird der Preis vergeben? Für Leistungen aus dem letzten Jahr, aus dem letzten Jahrzehnt oder aus dem Gesamtwerk? Für letzteres gibt es eine eigene Kategorie. Letzte Preisträger: Peter Thomas, Michael Kunze, Hans-Werner Henze, James Last und dieses Jahr Klaus Huber. Das dritte Problem: Lassen sich für die Kategorien nützliche Nominiertenlisten aufstellen? Handelt es sich dabei nicht um einen lästig-konstruierten Wettkampf um den besten Platz? Mehrere Preisträger haben sich das an diesem Abend auch gefragt, indem sie den Mitnominierten diesen Preis ebenfalls gegönnt hätten.

Das hartnäckigste Problem aber ist: Gibt es ein Zielpublikum für diesen Preis außerhalb der Autorenriege? Die Verleihung findet im Ritz Berlin im Rahmen eines Diners statt. Publikum ist nicht wirklich vorgesehen, auch wenn man Karten kaufen kann. Autoren ehren Autoren vor Autoren im Rahmen ihrer GEMA-Arbeit. Man lobt die Arbeit dieser Institution und erzählt sich gegenseitig, wie gut diese Institution ist. So Stefan Stoppok, der sagt, dass ihm die GEMA-Erträge seine musikalische Unabhängigkeit sichern. Oder Campino von den „Toten Hosen“, der den Preis so angenehm unkommerziell findet, ganz im Gegensatz zum Brimborium, das den ECHO, den Preis der Musikindus-trie umgibt. Es ist ein bisschen so wie bei Schönbergs Verein für musikalische Privataufführungen, nur mit Applaus. Die Absenz der Öffentlichkeit macht die Angelegenheit angenehm unaufgeregt, niemand muss sich beweisen. Im Gegenteil, die dort Anwesenden kommen mit den anderen musikalischen Welten in Kontakt, Leute, die wie Stoppok sagte, „sich sonst nicht einmal mit dem Arsch“ ansähen. Doch rechtfertigt ein solches Gala-Get-Together diesen Aufwand, über dessen finanzielle Ausstattung nichts Präzises in Erfahrung zu bringen ist?

Und die Preisverleihung ist immer wieder einen Auftritt des Kulturstaatsministers wert. Bernd Neumann positioniert sich nur zu gern als Fels für Urheber in der Brandung  der Verbraucherangriffe auf das Urheberrecht. Er nutzte seine Redezeit für eine vorgezogene Wahlkampfrede. In seiner Art damit der seriellen Musik die Ehre erweisend, nämlich, das Gleiche in immer anderer Form wieder neu zu sagen.
 

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