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Komponisten sehen Existenz bedroht

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Statement junger Komponist*innen zur GEMA-Reform
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„‚Wir sind hier, wir sind laut!‘ – manchmal auch leise, manchmal schräg und skurril und hin und wieder auch mal schön. Doch wie lange noch?“ Mit diesen Worten wenden sich 29 junge Komponist*innen an die Öffentlichkeit, weil die geplante Reform der GEMA sie nach eigenen Angaben an ihrem Wert zweifeln lasse und existenzielle Fragen aufwerfe. Aus diesem Grund haben sie ein Statement an die – wie sie schreiben – „Gesellschaft für MusikAbschaffungsmaßnahmen“ gerichtet. Ihr Wunsch ist es, sich mit allen Beteiligten des Vereins an einen Tisch zu setzen und gemeinsam zu reformieren, da sich in der Vergangenheit einige Klüfte aufgrund von Kommunikationsbarrieren aufgetan hätten. Die nmz druckt im Folgenden das Statement im Wortlaut ab:

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Wir betrachten die aktuellen Reformpläne der GEMA mit Sorge. Die geplante Verteilung der Inkasso-Einnahmen benachteiligt insbesondere junge Komponist:innen. Da die meisten ihrer Aufführungen an Hochschulen stattfinden und die Veranstalter dort typischerweise Pauschalverträge abschließen, die mehrere Veranstaltungen gleichzeitig abdecken, wirkt sich diese Regelung besonders nachteilig auf sie aus.

Wir können nicht nachvollziehen, warum die bisherige Verteilung, die auf dem Prinzip der Solidarität basierte, nicht in ihrem Geist erhalten bleibt. Dadurch steht nicht mehr das Werk im Mittelpunkt, sondern der finanzielle Erfolg einzelner Konzerte.

Zudem befürchten wir, dass die geplante Reform eine Inkasso-Grenze enthalten wird, die junge Komponist:innen aus dem aktuellen E-Musik-Bereich aufgrund der zu erwartenden geringen Tantiemen ausschließt. Dadurch würde der geplante K-Faktor für den Nachwuchs wirkungslos. Wir wünschen uns daher, dass dieser Aspekt berücksichtigt wird.

Eine mögliche Maßnahme zur Vermeidung dieser Benachteiligung könnte die Vorlage einer Immatrikulationsbescheinigung eines künstlerischen Studiengangs sein. Diese Regelung sollte jedoch auch mit einer angemessenen Schonfrist nach dem Studium verbunden sein.

Gerade junge Komponierende, die typischerweise nur wenige Aufführungen haben, sind von dieser Reform besonders hart betroffen. Ein:e Bachelor-Student:in hat meist nur die Möglichkeit, sich bei Klassenabenden zu präsentieren – in der Regel einmal pro Semester, also lediglich zweimal pro Jahr.

Der Abbau der Solidarität innerhalb der GEMA ist in Anbetracht der gesamtgesellschaftlichen Lage ein herber Schlag für junge Musikschaffende. Der zunehmende Rückgang der Kulturförderung, die geringen Einnahmen im Streaming-Markt für kleine Musikschaffende und insbesondere die fehlende Berücksichtigung von Studierenden in vielen Förderprogrammen zeichnen in Verbindung mit der geplanten Reform der GEMA ein düsteres Bild.

Zudem befürchten wir, dass die GEMA-Reform die Kluft zwischen U- und E-Musik weiter vertieft – unter anderem durch pauschale und teils falsche Aussagen, die auf GEMA-Veranstaltungen geäußert werden. Es wird ein Bild von wohlhabenden E-Komponist:innen gezeichnet, das insbesondere auf die junge Generation nicht zutrifft.

Studierende sind nachweislich stark von Armut bedroht.

Auch das geplante Gremium, das über die K-Faktoren entscheiden soll, sehen wir kritisch. Es besteht die Gefahr, dass dieses Gremium zur „Geschmackspolizei“ wird und nicht immer die künstlerische Besonderheit einzelner Werke oder Personen angemessen berücksichtigt. Die bisherige Gestaltung der K-Faktoren deutet darauf hin, dass bestimmte Genres gezielt gefördert oder ausgeschlossen werden.

Ein weiterer Punkt betrifft den bürokratischen Aufwand, der mit der Reform nicht geringer zu werden scheint. Schon jetzt gibt es lange Wartezeiten bei Reklamationen, und wir sehen kein Potenzial, dass sich dieser Zustand durch die Reform verbessert.

Die 29 unterzeichnenden Komponist*innen sind:

  • Leon Zmelty, Eunhye Joo, Marta Kowalczuk, Michael Leitner, Kyungjin Lim, Bernhard Plechinger, Sophie Reich, Fabian Blum, Romeo Wecks, Yann Windeshausen, Nina Deuse, Hanyu Xiao, Julius von Lorentz, Eli Simic-Prosic, Haonan Guo, Sebastian Zaczek, Levent Altuntas, Alexander Schweiß, Dominic Wills, Lucie Spedicato, Leonard Willscher, Chin-Hsien Chung, Leon Jonas Thieme, Julia Waldeck, Javier Berzal de Miguel, Volker Sondermann, Katharina Dickopf, Niko Yin, Eva Kuhn
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