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MDR-Dirigent Kristian Järvi: Klassik ist Musik für Jedermann

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Leipzig - Zum 200. Geburtstag von Richard Wagner (1813-1883) steuert das MDR-Sinfonieorchester ein Cross-Over-Projekt bei. «Wagner_Reloaded» hat am 5. Juli in Wagners Geburtsstadt Leipzig Premiere. Im dpa-Interview erklärt MDR-Chefdirigent Kristjan Järvi (41), weshalb er neue Wege in der Klassik für angebracht hält.

 

Herr Järvi, «Wagner_Reloaded» - was erwartet uns?

Järvi: «Es ist eine Hommage an Wagner, eine Biografie. Es ist eine Art Multi-Media-Spektakel - so als ob Cirque du Soleil, Tanz und Oper zusammenkommen. Wir haben die Musik von Wagner von der Walküre bis zu Rheingold, wir haben Apocalyptica, die ein Hardrock-Feeling erzeugen werden, wir haben den Tanz der Gregor Seyffert Compagnie. Es ist in gewisser Weise mehr der Spirit von Wagner, wie er wäre, wenn er heute leben würde. Ich würde sagen, es ist ein zeitgenössisches Gesamtkunstwerk.»

Welches Publikum wollen Sie damit erreichen?

Järvi: «Wir würden ein Projekt wie dieses nicht machen, wenn wir nicht das größtmögliche Publikum erreichen wollten. Ich bin wirklich stolz darauf, dass der MDR in meinem ersten Jahr so viele eigene Projekte gestartet hat. Genauso sehe ich das MDR-Sinfonieorchester: Als Erschaffer neuer Projekte, neuer Kunstwerke, mit Multimedia-Inhalten - ohne die klassischen Wurzeln zu vergessen. Wir kommen aus der klassischen Musik, aber wir müssen nicht die ganze Zeit in der Klassik leben.»

In der Arena wird das Publikum ja nicht das gleiche sein wie etwa im Gewandhaus.

Järvi: «Es sollte auch gar nicht das gleiche sein! Wir gehen in die Arena, weil wir mehrere tausend Zuschauer erwarten, mehr als ins Gewandhaus passen. Das Projekt soll ein größeres Publikum ansprechen.»

Und warum haben Sie sich dafür Wagner ausgesucht?

Järvi: «Weil Wagner der "Bad Boy" der Musik ist. Ich würde nicht sagen, dass seine Musik mein Favorit ist. Aber ich mag, wofür er steht. Und ich mag die Tatsache, dass er anders als andere sein wollte, dass er eine Vision hatte, der er folgte. Er beeinflusste die Geschichte, er beeinflusste, was Menschen über die Oper denken. Er war eine visionäre Person.»

Ist «Wagner_Reloaded» Pop, ist es Rock, ist es noch Klassik?

Järvi: «Es ist kein Pop. Britney Spears ist Pop. Es ist Rock, der auf klassischer Musik basiert. Nehmen Sie Apocalyptica: Das sind klassisch ausgebildete Musiker. Aber die wollten etwas anders machen und bildeten dieses sehr ungewöhnliche Heavy-Metal-Cello-Quartett. Wir kommen alle aus der Klassik: Wagner, Apocalyptica, Gregor Seyffert war eigentlich klassischer Balletttänzer. Die Welt ist viel größer, als dass wir an dieser einen Quelle hocken bleiben sollten. Wir haben alle ein gutes Fundament - jetzt ist es Zeit, darauf ein Haus zu bauen. Und in diesem Haus soll es viele Zimmer geben, eines mit Heavy-Metal-Musik, eines mit Jazz, eines mit Klassik. Das ist meine Welt, der neue Weg, Klassik zu verstehen.»

Haben Sie keine Angst, beliebig zu werden?

Järvi: «Klassische Musik muss für Jedermann sein! Es sollte keine geschlossene Gesellschaft sein. Klassik ist die beste Musik der Welt. Viele Menschen haben aber die Sorge, sie wüssten nicht genug darüber, manche finden es langweilig. Unsere Aufgabe ist es, diese Musik zugänglich zu machen. All die großen Komponisten - meinen Sie, die hätten langweilige Musik geschrieben? Nein! Die haben großartige Musik komponiert, voller Leben, voller Emotionen. Es ist der Job der Künstler, dies lebendig zu machen.»

«Wagner_Reloaded» klingt nach einer großen Show. Könnten Sie sich vorstellen, damit auf Tour zu gehen?

Järvi: «Das könnte ich mir sogar sehr gut vorstellen. Es könnte ein sehr erfolgreiches Tour-Projekt werden. Aber jetzt müssen wir in Leipzig erstmal sehen, wie es funktioniert.»
 

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