Der Festivalsommer 2023 hat begonnen. Im Gegensatz zum Sektor der privatwirtschaftlich organisierten Pop- und Rockfestivals sind im Feld der Klassik, der Gegenwartsmusik und des Jazz noch keine Totalausfälle zu vermelden. Die nmz verweist mit drei Tipps exemplarisch auf Festivals mit einem jeweils eigenem Charakter.

George Benjamin dirigiert Werke von Unsuk Chin.
Sommerliche Vielfalt
Musikfest Berlin
Zunächst der Big Player: In 28 Veranstaltungen werden vom 26. August bis 18. September 2023 in der Philharmonie Berlin, in deren Kammermusiksaal und in der Gethsemanekirche über 60 Werke von rund 45 Komponist*innen präsentiert. 25 Orchester, Instrumental- und Vokalensembles und über 50 internationale Solist*innen sind beim Musikfest Berlin zu erleben.
Neben den großen Klassikern des Repertoires und des 20. Jahrhunderts bringt das Festivalprogramm ein vielfältiges Spektrum an Musik unserer Zeit auf die Bühne. Das von Robin Ticciati geleitete Deutsche Symphonie-Orchester Berlin verbindet das Konzert „Šu“ für Sheng und Orchester der koreanischen Komponistin Unsuk Chin mit Gustav Mahlers „Das Lied von der Erde“. Weitere Werke von Unsuk Chin sind im Konzert der Staatskapelle Berlin mit Mahlers 5. Symphonie und des Ensemble Modern Orchestra unter der Leitung von Sir George Benjamin zu erleben, der dieses Jahr mit dem Ernst von Siemens Musikpreis ausgezeichnet wurde.
In einem zweiten Konzert mit dem Ensemble Modern präsentiert Benjamin neben einer eigenen Bach-Transkription Kompositionen von Varèse, Ravel, Schönberg und Saed Haddad. Solistin seiner beiden Konzerte ist Anna Prohaska.
In weit über der Hälfte der Konzertprogramme des diesjährigen Musikfests Berlin werden Werke von Komponist*innen der Gegenwart zu hören sein – ein vielfältiges Spektrum der Musik unserer Zeit: ein Klavierkonzert von Thomas Adès, von Julia Adolphe „Makeshift Castle“, Dieter Ammanns „glut“, von George Benjamin „A Mind of Winter“ und von Unsuk Chin „Cello Concerto“, „SPIRA“ und „Šu“, die deutsche Erstaufführung von Donnacha Dennehys Violinkonzert, die Uraufführung eines neuen Werkes von Francesco Filidei, das Streichquartett „Mirage, Mémoire, Mystère“ von Saed Haddad, ein neues Werk von Márton Illés, Elizabeth Ogoneks „Cloudline“, „Many Waters“ von Betty Olivero, Symphonie Nr. 3 „White interment” von Victoria Vita Polevá, „My Persia“ von Wolfgang von Schweinitz und von Jörg Widmann „Das heiße Herz“, die Konzertouvertüre „Con brio“, sein Violinkonzert Nr. 2 und „Fantasie“. www.berlinerfestspiele.de
Jazz Sommer München
Vom 24. bis 29. Juli 2023 lädt der Jazz Sommer im Night Club des Hotels Bayerischer Hof zum „Bummel durch Europa“ ein. Drei Ausgaben des Münchener Jazz Sommers sind coronabedingt ausgefallen. Jetzt geht das einzige Münchener Jazzfestival mit internationalem Zuschnitt an den Neustart. Oliver Hochkeppel ist seit März der neue künstlerische Leiter und stellt das Festival unter ein Motto – frei nach Mark Twain – „Bummel durch Europa“. Es soll ein Rundgang werden, der die Eigenarten des europäischen Jazz widerspiegelt. Seit etwa 30 Jahren hat sich dieser über die Entdeckung oder Wiederentdeckung seiner vielen eigenen Musikstile und vor allem auch Volksmusiken zu einer eigenen Sprache mit sehr vielen Dialekten entwickelt. Das Festival Jazz Sommer hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Europa der Jazz-Regionen zu vermitteln. www.bayerischerhof.de/de/erleben-geniessen/entertainment/entertainment-…

Angesagtestes Techno-Jazz-Orchester dieser Tage: „Jazzrausch“ eröffnet das Jazz Sommer Festival im Festsaal des Hotels Bayerischer Hof.
Jazzweekend Regensburg
Das Programm des Bayerischen Jazzweekends 2023 in Regensburg steht fest: Vom 13. bis 16. Juli werden 105 kostenfreie Konzerte von 101 Bands, Combos und Einzelkünstlerinnen und -künstlern über die Bühnen der Stadt an der Donau gehen. Das Konzept gibt es seit 42 Jahren, dem künstlerischen Leiter, Christian Sommerer, scheint es zu gelingen, auch im zweiten Jahr unter seiner Leitung neue Akzente zu setzen.
Im Laufe der Jahrzehnte hat sich die Jazz-Ausbildung stark gewandelt und akademisiert. In Bayern gibt es heute drei Musikhochschulen mit Jazz-Abteilungen. Das Bayerische Jazzweekend stellt den Musik-Nachwuchs bewusst in den Vordergrund und den jungen Talenten eine eigene Bühne auf dem Bismarckplatz zur Verfügung. Die Jazz-Hochschulen aus München, Nürnberg und Würzburg sind hier mit Formationen vertreten und präsentieren ein spannendes Programm, von Classic Jazz bis hin zu Jazzpop, Modern Jazz und Fusion. Weiter Informationen zum Bayerischen Jazzweekend unter www.jazzwe.de
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