Nach den kritischen Berichten aus hiesigen tschechischen Blättern wurde diese letzte Oper des nun 70jährigen Brünner tschechischen Komponisten Janácek als dessen reifstes, geschlossenstes und eigenartigstes Werk interpretiert, als ein Werk, in dem der greise Künstler den Umschwung zur expressionistischen Richtung vollzogen hat. Ich war nun nicht wenig erstaunt, als alle diese Voraussetzungen, mit denen ich das Theater betrat, Stück für Stück in nichts zerfielen und sich die Eindrücke, die ich durch das Werk empfing, in einer Weise verschoben, die es mir unbegreiflich erscheinen ließen, wieso Bühnenschöpfungen Janaceks auch außerhalb der Grenzen unserer Republik festen Fuß fassen konnten. […]

Neue Musik-Zeitung – Vor 100 Jahren
Vor 100 Jahren: Leoš Janácek: „Das listige Füchslein“ – Uraufführung in Brünn
Ähnlich primitiv wie die Handlung ist auch die – allerdings durch eine routinierte Orchestertechnik klanglich brillant ausgestattete – Musik von Janácek. Sie ist ausschließlich dem französischen Impressionismus entlehnt und als solche insbesondere in harmonischer Hinsicht ganz epigonenhaft gestaltet; sie verarbeitet dessen typischste akkordische Merkmale (wie etwa bis zum Überdruß wiederkehrende Akkordwechsel, z. B. c moll, F dur) und gefällt sich in einer aus eben derselben Quelle stammenden, bis zur Manieriertheit gewordenen, über übermäßigen Dreiklangsketten aufgebauten Ganztontechnik. […]
Aufhorchen lassen nur die ganz niedlich geschilderte Fuchsenhochzeit und wenige Stellen im dritten Akte, in denen sich die Musik Janáceks stellenweise zu polyphonen, geschlossen gestalteten, wärmer getönten Episoden steigert, oder dort, wo sich der Komponist mit der Wiedergabe von Tierlauten beschäftigt.
Br. Weigl, Neue Musik-Zeitung, 46. Jg., Heft 12, März 1925
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